Briefkasten
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Sabrina Fabian
aus Berlin
Briefkasten 10.12.2025
Muttertag war nur ein paar Tage entfernt, als ich meinen roten Briefumschlag zum Briefkasten gebracht habe. Ich habe ihn eingeworfen und dann erst bemerkt: Der Briefkasten war bis zum Anschlag gefllt. Mein Brief rutschte zwischen andere Kuverts. Durch den Schlitz konnte ich ihn immer noch sehen. So hoch stapelten sich die Briefe in allen mglichen Gren und Farben. Mein erster Gedanke: Mist! Ich habe einen Briefkasten erwischt, der nicht mehr geleert wird. Darum stecken hier Briefe bis oben hin. Und nun ist mein Brief unter ihnen und meine Mama wird ihre Muttertagspost nie erhalten!
Oh nein! Nun habe ich mir umsonst die liebevolle Mhe gemacht. Ich spre meinen rger und Frust aufsteigen. Da denke ich an einen Satz aus der Bergpredigt von Jesus: Macht euch keine Sorgen! (Matthus 6,31) Auch nicht ber solche Sachen, die im Vergleich zu wirklichen Problemen klein sind und trotzdem rger und Enttuschung verursachen.
Den Sorgen nicht den Vorrang lassen. Daran erinnert Jesus. Wenn ich die Sorgenbrille ablege, dann ergeben sich pltzlich ganz andere Perspektiven. Bei dem Briefkasten ist das so. Bei ihm handelt es sich nicht um einen vergessenen Briefkasten. Seit Wochen nicht mehr geleert, weshalb verwaiste Briefumschlge aus ihm herausquellen. Stattdessen: Ein Briefkasten voll mit Liebesbotschaften.
Wenn ich mich nicht von meinen Sorgen leiten lasse, komme ich zu dem Schluss: Besonders viele Menschen aus meiner Stadt senden ihrer Mama zum Muttertag einen Brief. Darum ist der Briefkasten bis zum Bersten gefllt. Viele nutzen den Anlass, um sich bei ihrer Mutter zu melden und ihr einen Brief zu schicken. So wie ich.
Ein kleiner, schner Plot-Twist ist das: vom vergessenen Briefkasten zum Aufbewahrer vieler Liebesbotschaften. Wenn die Sorgen keine Deutungsmacht bekommen, dann sind Situationen berraschend schn. Darum sage ich mir den Satz von Jesus wie ein Mantra vor, wenn ich merke, dass mir etwas vorschnell aufs Gemt drckt.
In diesem Fall hatte das Mantra recht: Meine Mama hat den roten Briefumschlag bekommen. Vielleicht quillt dieser Briefkasten bald wieder ber: vor lauter Weihnachtspost.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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