Gott hat viele Möglichkeiten

Shownotes

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Morgenandacht im Deutschlandfunk

Pastor Frank Mhring

aus Bremen

Gott hat viele Mglichkeiten 15.12.2025

Wieder eine schlaflose Nacht fr Abraham. Lange liegt er wach in seinem Zelt und wlzt sich hin und her. Gott hatte ihm gutes Land und einen Sohn, einen eigenen Nachkommen, versprochen. Wenn jetzt nicht bald etwas passiert, dann werde ich dafr zu alt sein, denkt er. Abrahams Haare sind wei geworden. Seine Trume aus der Jugendzeit hat er nach und nach beiseitegelegt. Wie ein Buch, das du einfach nicht mehr weiterliest. Und das versprochene Land? Abraham will nicht mehr ruhelos wie ein Nomade umherziehen von hier nach da. Er hat das Leben im Zelt satt und das endlose Warten. Die Uhr tickt. Abraham fhlt, wie ihm die Zeit durch die Finger rinnt.

Als die Nacht am dunkelsten ist, hrt Abraham Gottes Stimme, tief in sich drin: Frchte dich nicht, Abraham! Ich bin dein Schild und dein sehr groer Lohn. Abraham ist aufgewhlt. Daran hat er bislang immer geglaubt: Gott wird mir zu einem besseren Leben verhelfen. Darauf hoffte er insgeheim immer noch. Aber Abraham schwankt und fragt sich: Ist mein Glaube an Gott vielleicht nur eine fixe Idee? Bald wird mein Leben zu Ende sein. Und Elieser, mein Knecht und Hausmeister, so vermutet Abraham, wird meinen ganzen Besitz bekommen.

Abraham betet. Es wird ein bitteres Klagegebet: HERR, ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Mir hast du keine Nachkommen gegeben. Neben Abraham liegt Sara, seine Frau. Sie knnen schon lange nicht mehr ber das Thema Nachwuchs reden. Wenn sie miteinander sprechen, dann geht es nicht ohne Trnen.

Abraham steht auf und schttelt die Decke auf. Er geht ins Freie. Manchmal tut es einfach gut, sich zu bewegen. Den Kopf zu erheben, sich mal umzudrehen. Abraham schaut hinauf zu den Sternen. Unzhlig viele davon sieht er in dieser wolkenlosen Nacht. In der Morgendmmerung sind sie immer noch da. Was wird nur werden?, flstert Abraham in sich hinein. Meine Zukunft steht in den Sternen.

Abraham fhlt, wie ihn etwas anweht. Wieder ist es die Stimme Gottes: Abraham, hre. Ja, deine Zukunft steht in den Sternen. Denk nach: Wer hat wohl all die vielen Sterne gemacht? Die unzhligen Planeten und Milchstraen? Ahnst du, wie viele wunderbare Welten da drauen im Weltall sind? Glaub mir, so zahlreich wie die Sterne sind deine Mglichkeiten im Leben.

Abraham sieht sich die Sterne an. Seine Augen weiten sich. Den Polarstern findet er und erkennt den Groen Wagen. Wieder die Stimme Gottes: Sieh gen Himmel und zhle die Sterne; kannst du sie zhlen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!

Als die Nacht am tiefsten ist, geht Abraham ein Licht auf. Vielleicht hat mein Leben auch so einen Sinn. Ich muss gar nicht genau das bekommen, was ich mir wnsche, einen Sohn. Vielleicht nehmen wir ein Pflegekind. Oder wir kmmern uns mehr um die Kinder der Nachbarn. So kann man doch auch Vater und Grovater sein. Gott hat mehr als eine Mglichkeit. Und - ich sicherlich auch.

In der Bibel steht: Abraham glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. (1. Mose 15,6) Vertrauen heit, sich Gott immer wieder neu in die Arme werfen. Er trgt mich durch mein Leben. Er vergisst mich nicht. Gott hat unendlich viele Mglichkeiten.

Als Abraham zurck in das Zelt kommt, begegnet ihm Sara, seine Frau: Wo warst du? Kurz drauen. Sara fragt ihn: Was hast du gesehen, du bist so anders? Abraham: Ich habe unsere Zukunft gesehen, Sara. Sie steht in den Sternen. Sie ist viel heller, als wir es uns denken. Das Leben geht weiter. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Ich glaube fest daran. Abraham und Sara umarmen sich. Mehr Worte brauchen sie nicht. Dann machen sie sich ein Feuer fr ein warmes Frhstck.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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