Stille suchen, Abstand gewinnen
Shownotes
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Morgenandacht im Deutschlandfunk
Pastor Frank Mhring
aus Bremen
Stille suchen, Abstand gewinnen 18.12.2025
Mitten in Berlin, am Brandenburger Tor, da tobt das Leben. In der Adventszeit besonders. Der Lrmpegel ist hoch. Autos, Motorrder und Busse fahren im Kreisel vorbei. Viele Touristen strmen ins Zentrum der Stadt. Tglich findet hinter dem Brandenburger Tor irgendeine lautstarke Demonstration statt. Rechts im Seitenbereich des Brandenburger Tores, leicht zu bersehen, gibt es einen besonderen Raum. Einen Raum der Stille. Ein wunderbares Angebot, mitten im Lrm der Grostadt etwas Kostbares zu finden: Stille. Abstand von allem Getse drauen und drinnen. Ein paar Momente zum Durchatmen.
Nur ein Trstopper weist auf den einfach gestalteten Raum hin. Auf einem Plakat hinter dem Eingang steht grogeschrieben: Treten Sie ein! Hier drfen Sie schweigen. Still zu sein, das ist an diesem Ort nicht nur ausdrcklich erlaubt, sondern auch geboten. Drinnen findet man ein paar graue Sthle, einen Wandteppich, der angestrahlt ist, das ist alles. Ein religises Symbol sucht man vergebens. Stille ist hier das einzige Programm.
Ich setze mich auf einen der grauen Sthle und merke, wie schon nach ein paar Minuten die Ruhe in mich einstrmt. Die Gerusche der City sind hier drinnen nur gedmpft hrbar. Meine Sinne knnen aufatmen, vor allem das dumpfe Drhnen in den Ohren legt sich schnell. Das Kopfkino in mir kann Pause machen.
Gerade in den Wochen vor Weihnachten fhle ich mich oft berreizt. Mein Kopf ist randvoll, der Blutdruck leicht am Steigen. Hier im Raum der Stille kann ich fr einen Augenblick herunterfahren und Abstand gewinnen. Gut, dass es diesen Ort gibt.
Sich eine Atempause zu erlauben, das ist nicht fr jeden Menschen selbstverstndlich. Oft berfordern wir uns und reden uns ein: Das schaffen wir schon. Oder Was soll schiefgehen? Wer permanent auf hohem Level unterwegs ist, dem droht Kurzatmigkeit. Eine Pause gnnen sich viele Menschen erst spt am Abend, wenn alles geschafft ist. Hier im Raum der Stille geht das auch zwischendurch, im Vorbergehen.
Wer beten will, braucht Stille. Der muss sich ein Stck von allem distanzieren. Das ist nicht leicht. Jesus sagt in der Bergpredigt bers Beten: Geh in deine Kammer und schlie die Tr zu. (Matthus 6,6) Er htte auch sagen knnen: Such dir einen Raum der Stille, wo du fr dich sein kannst.
Das ist keine christliche Weltflucht. Eher ein Akt des Widerstands gegen zu viel Lrm und berreizung. Einfach einmal am Tag sich selbst losmachen. Ein stilles Gebet hilft, den Pegel herunterzufahren. Ein Ruheort im Alltag tut gut, wo man sich nicht vor anderen Menschen beweisen muss. Wo du frei von allem bist, was deine Aufmerksamkeit herausfordert. Du darfst schweigen und bei dir selbst ankommen und darin auch Gott begegnen.
Jesus hat auf diese stille, ruhige Art gebetet. 40 Tage lang ist er ganz fr sich in der Wste, bevor er sich taufen lsst und ffentlich predigt und wirkt. Spter erzhlt die Bibel immer wieder, wie Jesus die Einsamkeit bewusst gesucht hat. Jesus stieg allein auf einen Berg, um zu beten. (Matthus 14,23) Ich finde das sympathisch: Auch Gottes Sohn will sich nicht von allen Ansprchen an ihn erdrcken lassen. Auch er braucht Abstand und Stille fr die innere Balance.
In einem Gebet, das zur Ruhe fhren will, heit es:
Gott, ich bitte dich,
lass mich zur Ruhe kommen
einen Augenblick
Nicht an die vielen Dinge denken,
die mich tagein tagaus
beschftigen, belasten, bedrcken.
Einen Augenblick nicht tun mssen,
was ich selbst und andere von mir erwarten.
Einen Augenblick
Nur da sein.
Fr dich, Gott.
Und hren auf das,
was du mir sagen willst.
Jetzt.
In der Ruhe dieses Augenblicks.
Es gilt das gesprochene Wort.
(Nach Eckard Herrmann, Neue Gebete fr den Gottesdienst IV, Mnchen, S. 101,
dort allerdings in der Wir-Form: Gott wir bitten dich )
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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