Pyramidenfiguren
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Diakon Tobias Petzold
aus Berlin
Pyramidenfiguren 23.12.2025
Am Sonntag wurde an den Adventskrnzen die vierte Kerze angezndet.
Es soll hell werden in Husern und Herzen.
Dafr gibt es regional unterschiedliche Bruche und Rituale.
Neben Liedern, Lichterbgen und Lebkuchen gibt es auch besondere Deko-Gegenstnde.
Dazu gehrt bei mir die Weihnachtspyramide, die sich frhlich vor sich hindreht.
Jedenfalls, wenn nichts klemmt und alle Kerzen brennen.
Sie ist nicht nur ein schnes Symbol der Advents- und Weihnachtstage.
Ich finde: Sie ist auch ein passendes Zeichen fr den Alltag:
Denn immer und immer und jede und jeder,
alles dreht sich und alle drehen sich
immer und immer um die eigene Achse,
im Kreis und um sich selbst.
Und immer in Bewegung und immer dasselbe,
derselbe Ablauf, Tageslauf, Lebenslauf,
immer drin im Hamsterrad, ein Rotieren in der Routine.
Aber haben nicht gerade in der Geschichte von Advent und Weihnacht
alle Beteiligten die gewohnten Wege verlassen?
Maria, eine Jungfrau, so sagt es die Bibel, ist schwanger. Es heit:
Sie wei von keinem Mann. Damit ist von einem Moment auf den anderen alles anders als gewohnt und noch dazu ganz und gar fremdbestimmt: Schwangerschaft, Kindsvater, Geburtsort, selbst der Name des Kindes. Und ob es Maria biographisch, finanziell, familienplanerisch und berhaupt so passen knnte, hat keiner gefragt.
Auch fr ihren Verlobten Josef ist alles anders als erwartet. Er ist mit der Situation ausgesprochen unzufrieden und berlegt, wie es heit, sie heimlich zu verlassen.
Wer will es ihm verdenken.
Dann geschieht wieder etwas Besonderes:
Denn ein Engel erscheint ihm im Traum,
Josef kommt auf andere Gedanken und bleibt.
Was dann kommen wird der lange Weg von Nazareth nach Bethlehem, die Ungastlichkeit vor Ort, die Geburt und das Neugeborene im Futtertrog hat ebenfalls niemand erhofft noch erwartet.
Auch nicht, dass dann ein Massenauflauf dort sein wird, mit Viehhirten und schlauen Leuten,
die vor einer Futterkrippe mit einem Kind drin knien werden.
In den Geschichten der Advents- und Weihnachtszeit werden die Kreislufe menschlicher Logiken und tglicher Gewohnheiten durchbrochen.
Darum schaue ich gern in diesen Tagen auf meine Pyramide.
Ich sehe die Figuren und ihre Geschichten.
Und denke daran, dass man nicht vorankommt,
wenn man sich immer nur im Kreis und um sich selbst dreht.
Besser, ich lasse mich unterbrechen und erwarte Unerwartetes.
Und dabei rechne ich nicht mit dem Schlimmsten.
Sondern damit, dass auch mir in allem, was finster ist, ein Licht aufgeht
und neue Wege weist.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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