Eine Nach-Weihnachtsgeschichte
Shownotes
Morgenandacht von Pastorin Andrea Schneider
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Morgenandacht im Deutschlandfunk
Pastorin Andrea Schneider
aus Oldenburg
Eine Nach-Weihnachts-Geschichte 29.12.2025
Warten hat zu den Wochen vor Weihnachten dazugehrt nicht nur fr Kinder. Frhlich-aufgeregt, aber auch angespannt-dnnhutig. Die Erwartungen an Weihnachten sind hoch: passende Geschenke, harmonisches Familienfest, erfllte Zeit. Umso grer der Frust, jetzt nach Weihnachten, falls sich zeigt: vergeblich gewartet. Erwartungen unerfllt.
Und auch jenseits von Weihnachten: Warten ist ein schwieriges Thema. Der Philosoph Ralf Konersmann beschreibt Warten als Enttuschung, als Demtigung. Er meint: Mit einem Mal geht die Passung von Ich und Welt verloren.
Ein kleines Drama: Die Maschine unserer Unruhekultur stottert.
Sie bricht ihr Versprechen, dass es verlsslich immer weitergeht. Wir leiden an der Zeit, die nicht vergehen will. (x)
Alltglicher gesagt:
Warten nervt in der langen Schlange vor der Supermarktkasse oder vor der Bahnschranke, die sich ewig nicht ffnen will.
Warten belastet wenn es dauert, bis eine Diagnose klar ist oder der Anruf mit der Jobzusage kommt.
Warten trennt zwischen denen da oben, die andere warten lassen knnen,
und denen da unten, die nichts knnen als warten.
Warten verunsichert statt aktiv zu sein, bin ich ruhiggestellt, muss verharren.
Einerseits. Aber andererseits: Warten fokussiert Gedanken und Gefhle. Warten setzt Energie frei. Der Philosoph Konersmann nennt Warten auch eine Lebens-Kunst und schreibt: Wartende berwinden die trostlose Alternative zwischen wtendem Anrennen und dumpfer Resignation. Ja, Warten kann sinn-voll sein. Kann buchstblich Sinn machen.
Eine Nach-Weihnachtsgeschichte in der Bibel erzhlt von zwei Menschen, die so gewartet haben: Simeon und Hanna.
Simeon ist ein frommer und sensibler Mann. Ihn schmerzt, dass sein Volk unter fremder Besatzung leidet. Sehnschtig wartet er auf Trost. Er hofft auf das, was die Heilige Schrift verheit: Es wird ein Friedensknig kommen, der Recht und Gerechtigkeit bringt.
Den Spott der Leute lsst er ber sich ergehen: Du Trumer! Siehst du denn nicht die Realitt? Wird doch alles immer schlimmer Unverdrossen schaut Simeon anders in die Welt. Gegen den Augenschein hlt er seine Hoffnung hoch: Es wird gut werden. Und er rechnet fest damit: Er wird das noch erleben. Ziemlich verrckt, aber stark. Simeon wartet. Tag fr Tag, Jahr um Jahr. Er wird alt, aber nicht mde.
Und da ist Hanna eine 84 Jahre alte Witwe. In ihren nur sieben Jahren Ehe ist sie kinderlos geblieben. Sie htte allen Grund, verbittert und resigniert auf ihr Leben zurckzuschauen. Aber Hanna lebt als Prophetin Tag und Nacht im Tempel, fastet und betet, ist konzentriert ganz bei Gott und bei sich selbst. Und er-wartet Positives.
Wer wartet, tut nicht einfach nichts. Wer wartet, wartet seine Hoffnung. Pflegt sie. Repariert sie, wenn sie Risse bekommen hat. Kmmert sich darum, dass sie lebendig bleibt.
Eines Tages ist es so weit: Ein Paar mit seinem Neugeborenen kommt in den Tempel. Maria und Josef. Wie es der Tradition entspricht, wollen sie ihren kleinen Sohn Jesus segnen lassen. Simeon folgt seinem Gefhl und kommt dazu. Er sieht das Baby. Es sieht aus wie alle Babys.
Aber dem alten Mann geht ein Licht auf. Er nimmt das Jesuskind auf den Arm:
Das ist er, auf den ich gewartet habe. Mit diesem Kind erfllt Gott sein Versprechen. Licht kommt in die Welt. Nun kann ich in Frieden sterben.
Auch Hanna sieht hin und schaut prophetisch schon in dem kleinen Menschenkind, was es mal sein wird: der groe Messias. Der Erlser.
Simeon erkennt klarsichtig: An diesem Jesus werden sich die Geister scheiden.
Es wird sich alles verndern mit ihm. Aber anders als gedacht.
Mich berhrt die Warte-Geschichte dieser beiden jung-alten Leute.
Ein starkes Vorbild. Auch fr meinen Glauben: Sich verlassen auf das, was man hofft, und fest mit dem rechnen, was man noch nicht sieht. Aber dabei offen sein fr berraschendes, Fr das, was die Erwartungen ent-tuscht. Oder sie bertrifft.
Es gilt das gesprochene Wort.
(x) Ralf Konersmann, Warten ist eine Enttuschung, eine Demtigung, eine Kunst. NZZ, 12.3.2017
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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