Umzug ist Vertrauenssache
Shownotes
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Morgenandacht im Deutschlandfunk
Pastorin Andrea Schneider
aus Oldenburg
Umzug ist Vertrauenssache 31.12.2025
Wir alle ziehen um heute Nacht. Aus dem alten, vertrauten Haus dieses Jahres in das neue Haus 2026 mit seinen unbekannten, leeren Rumen. Wir stehen jetzt sozusagen auf der Schwelle. Da lohnt es sich, in allem Trubel, zwischen Silvesterparty vorbereiten und Dinner-for-One gucken, sich etwas Zeit zu nehmen zum Innehalten. Zum Nachdenken: Was ist das fr ein Umzug heute?
Umzug ist Vertrauenssache! Diesen Werbeslogan hatte die Firma, die wir als Familie vor vielen Jahren fr den Umzug in eine andere Stadt beauftragt hatten, auf die Umzugskisten gedruckt. Er passte: Das Vertrauen in die Firma war berechtigt, die Umzugs-Jungs waren achtsam, haben nichts kaputt gemacht.
Umzug ist Vertrauenssache!
Der Spruch passt auch zum bergang vom alten ins neue Jahr.
Wir nehmen viel mit bei diesem Umzug in das neue Jahr. Unsere Umzugskisten sind voll: mit schnen Erfahrungen und beglckenden Erinnerungen. An das harmonische Treffen der Grofamilie. An den beeindruckenden Konzertbesuch. An das gute Telefongesprch nach langer Funkstille.
Aber es gibt da auch nicht so Schnes, Bedrckendes, Ungeklrtes: den verletzenden, abgebrochenen Email-Wechsel mit dem Kollegen. Die verbaselte Prfung, die leicht htte geschafft werden knnen. Die immer noch ausstehende Entschuldigung nach einem heftigen Streit.
Was ist wertvoll und wollen wir mitnehmen beim Umzug ins neue Jahr? Was mssen wir sortieren, aussortieren, wovon uns buchstblich ent-sorgen? Und was mit Merke-Sternchen versehen, damit es einen passenden Raum bekommt und auffllt im neuen Haus 2026?
In unseren Umzugskisten finden sich auch viele schne Plne: das groe Fest zum runden Geburtstag. Ein paar Tage Herbsturlaub im sonnigen Sden. Der Start in einen neuen attraktiven Job. Aber werden diese lange geplanten Ideen wirklich zu den leeren Rumen des neuen Hauses passen? Wird anderes Raum brauchen? Da ist auch der Jahrestag des Krebstods des viel zu jungen Freundes. Die Verunsicherung, wie schnell schne Plne zunichtewerden knnen.
Auf der Schwelle zwischen den Jahren anhalten. Betrachten, was wir mitnehmen und was wir vorhaben das ist herausfordernd fr Gedanken und Gefhle. Die katholische Theologin Christiane Bundschuh-Schramm hat dieses Dazwischen-Sein in einem Liedtext beschrieben. Sie macht Mut, es wahr-zunehmen mit Offenheit und Vertrauen:
Im bergang dazwischen
vom Gestern entlassen, vom Morgen gelockt,
leben wir heute und suchen nach dir, unser'm Gott.
Im bergang dazwischen
die Einheit verloren, die Vielfalt entdeckt,
leben wir heute und suchen nach dir, unser'm Gott.
Im bergang dazwischen
von Altem verlassen, von Neuem berhrt,
leben wir heute und suchen nach dir, unser'm Gott. (1)
Im bergang dazwischen. Unsere persnlichen Umzugskisten, womit auch immer gefllt, sind klein und leicht im Vergleich zu den bergroen und berwltigend schweren weltweit, die angefllt sind mit Vlkerhass und Kriegsgert. Sie knnen die Rume auch des neuen Jahres mit ihrem Schrecken besetzen. Unsicherheit und Angst machen sich breit. Worauf knnen wir vertrauen?
Als wrde er unsere Zeit kennen und er hat ja selbst in schlimmster Kriegszeit gelebt , hat der Liederdichter Paul Gerhardt im 17. Jahrhundert seine Gedanken zum Jahreswechsel so zum Ausdruck gebracht:
Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern,
wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen
durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen,
durch Krieg und groe Schrecken, die alle Welt bedecken.
Und dann wendet sich Paul Gerhardt in seinem Lied vertrauensvoll an Gott:
Ach, Hter unsres Lebens, frwahr, es ist vergebens
mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. (2)
Von einem Jahr zum andern: Ja, Umzug ist Vertrauenssache.
Im bergang, im Dazwischen leben wir heute. Fragend. Suchend. Vom Morgen gelockt.
Ich wnsche Ihnen einen guten Rutsch!
Es gilt das gesprochene Wort.
(1) Christiane Bundschuh-Schramm, Weil DU mich siehst. Rituale und bungen, Gebete und Lieder, Schwabenverlag Ostfildern, 1997, S. 120
(2) Paul Gerhardt, Nun lat uns gehen und treten mit Singen und mit Beten, EG 58, Str. 2.3.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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