Hoffnungsworte für 2026

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15517/hoffnungsworte-fuer-2026

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Morgenandacht im Deutschlandfunk

Pastorin Andrea Schneider

aus Oldenburg

Hoffnungsworte 03.01.2026

Alle Jahre wieder gibt es sie, gedruckt auf Plakate und Postkarten, Kalender und Kerzen die Jahreslosung. Ein kumenisch ausgewhltes Motto aus der Bibel, das Christinnen und Christen begleiten soll durch das Jahr. Und anregen, Glauben zu leben.

So forderte die Jahreslosung 2024 auf, alles in Liebe geschehen zu lassen. Im Jahr 2025 ging es darum, alles kritisch zu prfen und das Gute zu behalten.

Menschlicher Blick. Menschliche Worte. Menschliches Tun. Sehr konkrete Aufforderungen.

Die Jahreslosung fr das Jahr 2026 zeigt einen Perspektivwechsel.

Sie lautet: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Der Blick nach oben. Und von oben. Gttliche Worte. Gttliches Tun. Was hat das mit uns Menschen zu tun?

Alles neu? Wie, was, wann?

Die Jahreslosung fr 2026 steht im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, aufgeschrieben von einem Seher namens Johannes, also einem, der in die Zukunft schaut am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus.

Kaiser Domitian beherrscht in diesen Jahren das rmische Weltreich. Mit totalitrem Kaiserkult. Eine echte Bedrohung und tiefe Identittskrise fr die jungen christlichen Gemeinden: Wie weit sich anpassen, um zu berleben? Wie am Christusglauben festhalten in dieser antichristlichen Welt?

In diese schwierige Zeit hinein schreibt Johannes den Gemeinden ernste, warnende Worte. Das Buch der Offenbarung hat eine zuweilen verstrende Bildsprache. Es ist aber letztlich keine Droh-, sondern eine Trostbotschaft: Haltet durch! Am Ende wird Gott die Macht des Bsen berwinden. Gottes Liebe und Gerechtigkeit werden siegen: Siehe, ich mache alles neu!

Der Visionr Johannes malt Gottes neue Welt vor Augen: Sie ist wie eine himmlisch schne, hchst gttliche und zutiefst menschliche Stadt. Menschen knnen hier geschtzt und angstfrei leben. In friedvoller Vlkergemeinschaft und beglckender Gottesnhe.

Johannes schreibt: Gott wird abwischen jede Trne aus ihren Augen. Es wird keinen Tod mehr geben. Und keine Trauer, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was frher war, ist vergangen.

Fr mich sind das mit die schnsten Hoffnungs-Worte in der Bibel. Aber wenn ich sie lese, regt sich in mir auch Widerstand. Ich habe Bilder wie diese vor Augen: ein Mann, der in seinen Armen vorsichtig ein weies Stoffbndel durch die Trmmer einer Strae trgt, sein Baby, das im Kugelhagel gestorben ist. Frauen, die sich ber die mit Fahnen bedeckten Srge ihrer Mnner und Shne beugen und ihren Schmerz in den Himmel schreien.

Und ich denke an Menschen in meiner Nhe: an die Eltern, die hilflos miterleben mussten, wie ihr schner, sportlicher Sohn, Mitte Zwanzig, seiner Depressionskrankheit nicht mehr standhalten konnte und sich das Leben nahm. An die Mutter, die ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern einfach so wegstirbt an Krebs. An die ltere Frau, die ihren Mann ber ihre Krfte hinaus pflegt. Er hat Demenz und erkennt sie nicht mehr.

Gott wird abwischen jede Trne aus ihren Augen, schreibt Johannes. Das ist seine Hoffnungs-Perspektive: Irgendwann ist all dieses Leid vorbei. Der Tod, der Erzfeind des Lebens, auch seine Vorformen und Nachwehen, ist irgendwann besiegt.

Die lhmende Angst gelst. Das herzzerreiende Klagegeschrei getrstet.

Das leise Weinen gestillt. Die Krper und Seele qulenden Schmerzen geheilt.

Auch die Trnen, die vor Entsetzen noch gar nicht geweint werden konnten herausgewischt aus trben Augen. Am Ende wird alles neu und alles gut. Fr alle.

Noch ist es nicht so weit. Das gttliche Hoffnungs-Wort noch nicht eingelst.

Aber es steckt heute meine Hoffnung an. Ich mchte dazu beitragen, dass schon jetzt das gute Ende ein wenig aufscheint.

Ich will gegen Krieg und seine Leiden nicht abstumpfen. Will Schmerz teilen und in Trauer trsten. Will mit anderen weinen und auch lachen.

Ein weites Jahr 2026 liegt vor uns. So viele Tage und Chancen, auf Spurensuche zu gehen, wo das Neue, das werden soll, schon ist.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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