Jetzt wird es ernst
Shownotes
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Gedanken zur Woche im Deutschlandfunk
Pastor Matthias Viertel
aus Kassel
Jetzt wird es ernst 02.01.2026
In der Bibel, genauer gesagt im Brief an die Rmer, steht ein Satz, der mich seit langem beschftigt. Heute am zweiten Tag im neuen Jahr hat er eine besondere Bedeutung. Paulus schreibt dort: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. (Rmer 7,18) Oh ja, das kommt mir bekannt vor. Wie oft hatte ich schon einen festen Willen, wollte unbedingt etwas schaffen, aber mit der Umsetzung haperte es dann.
Das gilt nicht nur fr das, was ich tun will, sondern erst recht fr das Gegenteil: etwas nicht mehr tun! Etwas unterlassen, weil es lstig oder sogar schdlich ist. Beispiele kennt jede und jeder. Fr die einen: mit dem Rauchen aufhren. Fr die anderen: nicht mehr so viel Zeit mit dem Smartphone verdaddeln. Wollen habe ich wohl, ich finde es unwahrscheinlich wichtig, es ist hchste Zeit, und berhaupt geht es so nicht weiter. Aber dann schaffe ich es trotzdem nicht.
Ein bekanntes Problem, das heute eine besondere Bedeutung hat. Zu Neujahr fassen viele Menschen gute Vorstze. Der Jahreswechsel scheint ideal fr einen Neuanfang. Und der braucht eben ein Konzept: Was will ich zuknftig besser machen und wie schaffe ich das? Auf der Hitliste der guten Vorstze steht brigens an erster Stelle mehr Sport, gefolgt von gesnder essen und weniger Stress. (1)
Die Sitte der guten Vorstze zum neuen Jahr ist uralt. Sie soll bis ins Rmische Reich zurckgehen. Dort wurde zum Jahreswechsel dem Gott Janus gehuldigt. Der wird mit zwei Gesichtern dargestellt: Ein Gesicht schaut in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft. Der Monatsname Januar geht auf diesen Gott Janus zurck. Ihm mussten die Staatsbediensteten zum neuen Jahr ihre Loyalitt bekunden. Daraus wurden spter die guten Vorstze.
Manche datieren den Brauch der Vorstze sogar noch frher, und zwar ins Babylonische Reich. Auch dort waren sie Teil der Rituale zum Jahreswechsel. Wer versprach, den Gttern treu zu dienen, der durfte Glck im neuen Jahr erwarten.
Zur Zeit Jesu gab es also gleich mehrere Neujahrsfeste: Die Assyrer feierten das altorientalische Fest Akitu, die Juden ihr Rosch haShana und die Rmer den Janus gewidmeten Jahreswechsel. (2) Der Apostel Paulus wusste also aus mehreren Quellen von der Bedeutung der Vorstze fr ein gelingendes Leben. Und das spielte eine Rolle, als er wie ein tiefer Stoseufzer schrieb: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht! Und er fgt hinzu: Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Bse, das ich nicht will, das tue ich. (Rmer 7,19)
Plne sind schnell gefasst, schwer wird es mit der Umsetzung. In der Silvesternacht waren die Vorstze noch mit einer gewissen Euphorie behaftet. Aber heute, am ersten Werktag im neuen Jahr wird es ernst. Was kann ich tun, damit es nicht beim gut gemeinten Vorsatz bleibt?
Paulus stellt fest: Es ist schwer, das, was der Verstand als sinnvoll und gut betrachtet, auch in die Tat umzusetzen. Wir Menschen sind eben nicht so einfach gestrickt, dass alles gleich gelingt, wenn ich es nur will. In diesem Sinne gesteht Paulus am Ende die eigene Unzulnglichkeit ein. Und doch: Selbst, wenn es nicht immer so perfekt funktioniert, bleibt die Absicht doch wichtig.
Auch meine Vorstze fr das kommende Jahr stehen unter diesem Vorzeichen: Ich will es zumindest probieren. Und wenn es nicht klappt, versuch ich es eben immer wieder. Wenn sich gute Vorstze bewhren sollen, muss ich sie mit Milde betrachten. Ich darf scheitern und es neu versuchen. Fr Christen ist deshalb die Gewissheit so wichtig: Gott akzeptiert mich mit meinen Fehlern und Unzulnglichkeiten. Das gilt nicht nur, aber ganz besonders fr die guten Vorstze im neuen Jahr.
Es gilt das gesprochene Wort.
(1) https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/neujahrsvorsaetze-psychologie-100.html
(2) https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/12/neujahr-historisch-warum-der-1-januar-nicht-immer-der-erste-tag-des-jahres-war/
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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