Flucht
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrer Friedemann Magaard
aus Husum
Flucht 10.01.2026
Die letzte Episode der biblischen Weihnachtserzhlungen spielt in der Fremde. Die Weisen aus dem Morgenland hatten nach dem Besuch bei der Heiligen Kleinfamilie die Rckroute gendert, auf himmlischen Wink hin, weil ein Engel im Traum zu ihnen sprach. Nicht ber Jerusalem sollen sie heimkehren, nicht den bsartigen Knig Herodes informieren, wo der neugeborene Knig zu finden sei. Aus Angst um die eigene Macht wollte Herodes seine Hscher schicken, um den kleinen Konkurrenten zu tten.
Aber nach ihrem Engels-Traum zogen die Magier an Jerusalem vorbei und lieen den blutrnstigen Knig eine Weile in Unklarheit. Es galt, Zeit zu gewinnen, damit Josef und Maria mit dem Jesuskind fliehen konnten.
Die Heilige Familie ereilte das Flchtlingsschicksal wie Abertausende damals und Millionen heute. Sie retteten das eigene Leben und das, was sie am Leib trugen und in den Taschen hatten. Wann sie zurckkommen wrden und ob berhaupt, das war vllig ungewiss.
Die Fluchtursache sollte sich als uerst begrndet erweisen. Herodes begriff nach Tagen, dass die Sterndeuter wohl nicht zu ihm zurckkehren wrden. Er steigerte sich in eine wilde Mordlust. In der Bibel, im Matthusevangelium steht: Herodes lie im Umkreis der Stadt Bethlehem alle Neugeborenen tten. Der neugeborene Knig wrde wohl auch dabei sein.
Um die eigene Macht zu erhalten, befiehlt Herodes unmenschliche Verbrechen. Die Klage der verzweifelten Eltern schreit zum Himmel. Der Wink des Engels im Traum der Weisen rettet Jesus vor dem Zugriff des Tyrannen. In gypten kann Jesu Familie unterkommen. Sie kehrt erst viel spter zurck, als Herodes lngst gestorben war.
Dass Jesus selbst ein Flchtlingskind war, prgt meinen Blick auf die Weihnachtsgeschichte. Wie viel Hrte lag auf diesem kleinen Leben. Von Anfang an: bedroht, verloren, entwurzelt, fremd. Das ist bitter. Das ist zugleich von tiefer Bedeutung fr meinen Glauben.
Ein Flchtlingscamp ist niemals ein gottloser Ort, auch weil Gottes Sohn da schon war, weil Jesus selbst das Leid miterlitten hat. Der erwachsene Jesus war daher in jeder Begegnung offen und bereit fr seine Nchsten.
Ich bin Gott lob nicht auf der Flucht. Aber die Geschichte von Jesus, dem Sohn Gottes rhrt mich fr mich selbst. Wenn ich mich verloren und einsam fhle oder todtraurig, dann bleibe ich doch immer im Kontakt mit diesem Gott. Gott kennt das genauso. Er kennt Not und Kreuz.
Dass Jesus selbst ein Flchtlingskind war, ist wichtig. Flchtlingskinder sollen sich sicher und gut aufgehoben fhlen, berall und auch in meinem Land.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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