Ich feier' dich

Shownotes

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Morgenandacht im Deutschlandfunk

Pfarrer Tim Jochen Kahlen

aus Heusweiler

Ich feier dich 12.01.2026

Der Hausmeister hebt den Weihnachtsbaum von seinem Stnder. In allen Bundeslndern hat der Unterricht wieder begonnen. Auch Lenas Schule kehrt zurck zum Alltagsrhythmus. Vorbei die weihnachtliche Atempause, doch noch nicht ganz.

In ihrem Fach im Lehrerzimmer findet Lena eine Karte. Sie liest: Ich feier Dich, weil Du nicht aufgegeben hast. Danke! Worte, die wrmen, und Lena denkt zurck.

Mitte Oktober sitzen sie zusammen und berlegen, drei Religionslehrkrfte und die Direktorin. Weihnachtsgottesdienst an unserer Schule? Die meisten Kinder gehren keiner Konfession mehr an oder sind muslimisch. Und viele, die getauft sind, kennen Weihnachtsmann und Rentierschlitten, aber kaum den Stall von Bethlehem. Vielleicht ist es Zeit, die Gottesdienste aufzugeben. Der Tannenbaum in der Aula tuts doch auch. Jedenfalls besser als wieder eine Kirche voller Kids, die vor Verlegenheit nur Bldsinn machen. Die Konferenz vertagt sich.

Aber der drohende Abschied vom Weihnachtsgottesdienst lsst Lena nicht los. Weniger aus Tradition, sondern weil ihr Herz von jener Nacht erzhlen will. Nicht missionieren, sondern einfach erzhlen, was sie glaubt: Es gibt da einen Gott, der wurde Mensch wie wir, weil er uns nicht aufgibt, sondern liebt. Davon nicht mehr in einem Schulgottesdienst erzhlen? Fr Lena hiee es, diesen Gott aufzugeben, und was er liebt, gleich mit.

Anfang November hrt sie Schler auf dem Flur quatschen. Einer sagt: Krass, ich hab den so gefeiert. Sie wei nicht, worum es geht. Es ist auch nicht Lenas Sprache, aber der Ton klingt nach. Den hab ich gefeiert hrt sie innerlich und stellt sich vor, wie der Schler das wohl macht: seinen Kumpel feiern.

Lena gefllt die Idee: Jemanden feiern heit, ihm oder ihr Anerkennung zuzusprechen. Mehr noch: Jemanden feiern bedeutet, sich selbst hart mitzufreuen, also: von Herzen. Dein Fest ist auch mein Fest. Ich feier dich, das ist Wertschtzung pur und heiligt den Moment: Jetzt und hier machst du mir groe Freude.

Ich feier dich, denkt Lena. Sagt das nicht auch Gott dem Menschen, als er fr ihn zum Kind wird? Ich feier dich, heute Nacht. Ich feier dich, auch wenn mich deine Wege morgen wieder traurig machen. Ich feier dich trotz allem, weil ich dich liebe.

Den anderen feiern, das knnte auch nichtchristliche Schlerinnen und Schler ansprechen, hofft Lena, oder solche, die mit religiser Sprache wenig anfangen knnen.

Mitte November testet Lena den Satz in ihrer Klasse: Schreibt, was euch einfllt. Wie feiert ihr jemanden und warum? Was macht sie oder ihn kostbar? Schreibt eine Geschichte, eine Szene, ein Gedicht oder auch nur ein paar Zeilen und malt dazu ein Bild. Stella schreibt: Ich feier Marie, weil sie auch im Regen mit mir zur Schule geht. Dabei will ihre Mutter sie immer fahren. Steven freut sich: Ich feier Cem, weil er immer die Hausaufgaben wei. Mit einem Arm voller Ideen wagt sich Lena in die Konferenz.

Und tatschlich: Der Satz vom Feiern zndet im Kollegium. Anfang Dezember schreiben, malen oder dichten in allen Jahrgngen Kinder, Jugendliche und auch Lehrkrfte, warum sie jemanden feiern. Eine Klasse bastelt Postkarten, die man gegen Spende jemandem schicken kann. Drauf steht: Ich feier Dich!

Aus dem einen Schulgottesdienst werden am Ende vier, damit alle Beitrge vorkommen. Und auch, weil man in kleiner Runde einander besser feiern kann. Viel Kirchliches fllt weg, aber nicht die Geschichte, warum Christinnen und Christen von ihrem Gott erzhlen, der das Menschsein feiert.

Nun liegt diese Postkarte in Lenas Fach im Lehrerzimmer. Lena liest: Ich feier Dich, weil Du nicht aufgegeben hast. Danke! Sie steckt die Karte ein und denkt: Ich feier dich, mein Gott, weil du nicht aufgibst. Danke!

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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