Merz bei Gandhi

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/gedanken-zur-woche/15589/merz-bei-gandhi

Transkript anzeigen

Er setzte sich, ffnete seine Schnrsenkel und zog die Schuhe aus. Auf Socken betrat Bundeskanzler Friedrich Merz den Sabarmati Ashram, die einstige Wirkungssttte von Mahatma Gandhi. Der erste offizielle Programmpunkt seines zweitgigen Besuchs in Indien am Anfang dieser Woche.

Merz will die Zusammenarbeit beider Lnder strken. Insbesondere die Kooperation im Rstungsbereich soll ausgebaut werden. Der indische Premierminister Narendra Modi hat den Bundeskanzler in Ahmedabad empfangen. Die Stadt im Westen Indiens ist ein wirtschaftliches Zentrum des Landes und eben der frhere Wohnort Gandhis. An dessen Statue haben Merz und Modi rote Bltenbltter niedergelegt.

Von hier aus startete Gandhi 1930 den berhmten Salzmarsch. Der damals 60-Jhrige machte sich zu Fu auf den Weg. Er will nicht kmpfen gegen die britische Kolonialmacht. Er geht einfach nur. 24 Tage lang, ber 380 Kilometer weit bis zum Arabischen Meer. Tglich schlieen sich ihm mehr Menschen an. Ihr Ziel: die Unabhngigkeit Indiens von der Kolonialmacht Grobritanniens. Unter der britischen Herrschaft war es ihnen verboten, Salz selbst zu gewinnen. Die Briten haben die Salzsteuer erhht. Gandhi protestiert laufend gegen das Salzmonopol. Fr Gerechtigkeit und Freiheit. Ohne Gewalt.

Als der Salzmarsch am Meer angekommen ist, geht Gandhi ein paar Schritte ins Wasser. Er hebt am Strand einige Krner Meersalz auf. Ein leiser Akt zivilen Ungehorsams. In Folge begannen einige Inderinnen und Inder, ihr Salz selbst zu gewinnen. Sie stellten Salzwasser in einer Schssel in die Sonne und lieen es verdunsten. Die Briten haben damals mehrere friedliche Protestierende verhaftet unter ihnen auch Gandhi. Aber die Sehnsucht nach Freiheit war nicht aufzuhalten. Der Salzmarsch gehrt zu den ersten Schritten auf dem Weg zu Indiens Unabhngigkeit. Gandhi wurde zum indischen Nationalhelden.

Modi und Merz haben sich vor diesem Mann verneigt, fr den Gewaltlosigkeit mchtiger war als Kanonen. Gandhi obwohl glubiger Hindu lie sich von der Bergpredigt Jesu inspirieren. Insbesondere von den Worten: Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bsen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlgt, dem biete die andere auch dar. (Matthus 5,39)

Gandhi wird oft in einem Atemzug mit Martin Luther King genannt. Auch der Baptistenpastor Martin Luther King hat gepredigt und gelebt: Beantworte Gewalt nicht mit Gegengewalt. Leiste friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Martin Luther King sagte ber Gandhi: Wenn die Menschheit Fortschritte machen soll, ist Gandhi unumgnglich. Er lebte, dachte und handelte in der Vision einer Menschheit, die sich auf eine Welt des Friedens und der Harmonie zubewegt. Wir ignorieren ihn auf eigene Gefahr. (1)

Gewaltlosigkeit ist immer auch eine Option. Worte knnen mchtiger sein als Waffen. Gandhi hat gezeigt: Gerechtigkeit braucht keine geballte Faust, sondern den festen Schritt derer, die fr Gerechtigkeit aufstehen. Der Mut zum friedlichen Protest ist notwendig in den Lndern, in denen die Willkr regiert, wo die Gewaltherrscher Menschen mit dem Tod bedrohen. So wie gerade schrecklich im Iran.

Zurck nach Indien am Anfang dieser Woche. Bevor sich Modi und Merz wieder auf die Socken machten und das Gelnde des Sabarmati Ashram verlassen haben, schrieb Bundeskanzler Merz ins Gstebuch:

Mahatma Gandhis unerschtterlicher Glaube an die Kraft der Freiheit und an die Wrde jedes Menschen inspiriert uns bis heute. Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre vielleicht ntiger hat denn je. (2)

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.