Haribo
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15598/haribo
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Man braucht einigen Optimismus, um gut durch den Januar zu kommen. So, wie ich manchmal am Schreibtisch einfach etwas Ses brauche, um weiter arbeiten zu knnen. Aber weil ich auch noch gute Vorstze habe und nicht immer so viel Ses essen will, suche ich mir meinen Optimismus auf eine andere Art. Zum Beispiel so:
Im Supermarkt hat mich eine Frau angesprochen. Etwas hilflos zeigt sie mir einen handgeschriebenen Einkaufszettel. Die zittrige Handschrift einer offenbar betagten Dame kann ich nur mit Mhe entziffern. Wie viel schwerer muss das fr die Frau sein, die ihn mir gerade vor die Nase hlt. Wahrscheinlich ist sie eine Pflegekraft aus Osteuropa. Hier bei mir in meinem Stadtteil, in den groen Wohnungen und in den gutbrgerlichen Verhltnissen, organisieren viele Menschen im Alter ihre Pflege so. Zucchini entziffern wir gemeinsam, und sie geht sie schnell holen.
Etwas spter kommt sie noch einmal auf mich zu. Fast alles ist von ihrer Liste abgehakt. Nur bei 2x Haribo Colorado, da wei sie nicht weiter. Und ehe ich ihr umstndlich erklre, was das ist und wo sie es findet, gehe ich mit ihr zum Regal und zeige ihr die Tten. Sie bedankt sich sehr.
Und ich denke, nicht zum ersten Mal: Wie einfach es eigentlich ist, freundlich zu sein. Das hrt sich immer gleich so kitschig und auf eine viel zu harmlose Weise weltverbessernd an. Aber es ist einfach wahr.
Und es gehrt zu den Dingen, die Jesus gesagt hat, die ausnahmsweise einmal einfach umzusetzen sind: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch. (Lukas 6,31). Das ist nicht einmal der originelle Einfall von Jesus. Das ist die sogenannte Goldene Regel, die es auch in anderen Religionen gibt. Es sind wirklich goldene Worte. Wie du behandelt werden willst, so behandele auch andere.
Denn das mit den Gummibrchen-Tten hat mich nicht einmal zwei Minuten meiner Zeit gekostet. Aber es hat nicht nur die Frau im Supermarkt froh gemacht, sondern auch die, die zuhause auf sie wartet. Ich kann mir vorstellen, wie es sein muss, nicht mehr selbst einkaufen gehen zu knnen und darauf angewiesen zu sein, dass andere es fr einen tun. Ich denke mir, dass dann schon die vergessenen oder die falschen Sigkeiten die Stimmung sehr herunterziehen. So wrde es mir jedenfalls gehen.
Diese zwei Tten Sigkeiten haben viele Menschen froh gemacht. Die Pflegerin, die ich getroffen habe. Die alte Dame, die ich nicht einmal kenne. Und mich, vllig kalorienfrei sogar. Denn wir haben ja nicht einmal davon gegessen.
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