Wohnungsnöte
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15552/wohnungsnoete
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Ein Lieblingsvers aus der Bibel ist fr mich der, wo Jesus sagt: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Sttte zu bereiten. (Johannes 14,2)
Ich wohne zur Miete. Da ist man angewiesen darauf, dass der Eigentmer die Wohnung in Schuss hlt. Dass es nicht zieht durch die Fenster, die Heizung funktioniert. Die Sttte bereiten das klingt also einladend: verlsslich, warm, verheiungsvoll.
Ich denke da als Stadtkind an Berliner Altbau: Stuck und Parkett, hohe Decken mit viel Raum und viel Licht, geffnete Flgeltren und Grozgigkeit. Trum weiter, kann ich da nur sagen: Wohnen ist eins der vielen groen Themen in der Hauptstadt. Wann immer ich durchs benachbarte Brandenburg fahre, werde ich neidisch auf so viel Platz und so viel Weite und: so viele Huser mit Garten. So viel Raum zum Leben, der noch bezahlbar scheint. In vielen Stdten Deutschlands sieht das ganz anders aus. Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum, zu wenig Platz fr zu viele Menschen, zu viele Luxussanierungen zu wenig ganz normale Mietwohnungen.
Wenn ich mich umhre in meiner Familie und unter Freunden, dann bin ich oft fassungslos: Ich hre Geschichten von jungen Menschen, die nach Berlin kommen, um hier zu studieren und keine bezahlbare Bleibe finden. Manche quartieren sich dann in einer Pension ein, bis das Geld nicht mehr reicht. Dadurch ist der Traum vom Studium in Berlin schnell ausgetrumt. Andere bleiben lnger zu Hause wohnen, als es gut ist, wenn man erwachsen wird einfach, weil es billiger ist. Daneben gibt es Studierende, die gleich in die Eigentumswohnung ziehen, die die Eltern vorsorglich erworben haben und es gibt jede Menge Luxuswohnungen. Fr die meisten Menschen unbezahlbar. Und ich kenne Geschichten von der Angst, die umgeht, wenn das kleine Wort Eigenbedarf pltzlich im Raum steht oder die nchste Mieterhhung ins Haus flattert, die dann nicht mehr tragbar ist.
Wohnen ist ein Menschenrecht sagt man. Gilt aber fr viele nicht, die gar kein Dach ber dem Kopf haben oder ein zerstrtes Zuhause oder ihres schweren Herzens aufgeben mssen aus welchen Grnden auch immer. Dabei braucht jeder von uns ein Zuhause: einen Ort, der bereitet ist, wie Jesus sagt. Nicht aufgerumt unbedingt, nicht riesig, kein Luxusobjekt. Aber ich wei, wenn ich eintrete: Hier bin ich zuhause. Hier darf die Mappe in die Ecke fliegen, der Schlips auf den Boden, die Seele auf die Couch. Ich muss nicht performen. Darf faul sein und ungeschminkt, kann weinen, lachen und schimpfen, Musik machen oder schnarchen fast alles ist erlaubt.
Ein schnes Bild fr den Glauben, finde ich: Er ist wie ein Zuhause, mein schtzender Raum, ein Zufluchtsort. Und ganz wichtig: Dieses Haus Glauben ist ein Gemeinschaftshaus. Kein Palast, kein Gerichtssaal, keine Moralagentur, einfach Gemeinschaft der Glubigen: ein Haus - viele Wohnungen. Und Menschen als Nachbarn. Eine Hausgemeinschaft, die aufeinander achtgibt und Rcksicht nimmt. Mal hrt man Klappern von Tren, mal Schritte auf den Holzdielen, Klavierspiel am Abend, Liebe in der Nacht, sicher auch mal Geschrei. Das Haus ist bereitet, sagt Jesus. Heit: Hier kann ich kommen. Hier bin ich zuhause. Hier bin ich sicher. Hier kann mich niemand vertreiben, hier fliege ich nicht raus.
Fr alle Wohnungssucher und Heimatlosen, fr alle Unruhegeister und Vertriebenen, fr alle Um- und Ausziehenden und fr Immobilienbesitzer dieses Gebet:
Ein Dach ber dem Kopf, Gott, bereite,
einen Platz, wo es warm ist, einen Ort, wo ich sein darf, so wie ich bin,
wo ich ruhen kann und schlafen und Menschen einladen
und mit ihnen lachen und reden bis spt in die Nacht,
eine Kche zum Tanzen verrckt im Pyjama.
Ein Haus, eine Wohnung in dieser Welt.
Eins muss Mensch klar sein:
Wir sind alle Gste auf dieser Erde.
Niemand unkndbar aus diesem Leben.
Jeder auf Zeit nur in dieser Welt.
Schenk offene Tren.
Schaff Platz in den Herzen.
Lass mich zuhaus sein so wie in dir.
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