Weil Frieden nicht selbstverständlich ist

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15554/fashionweek

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Mach, was wirklich zhlt steht auf einer riesigen Werbeflche an der Hochhauswand, die gerade am Berliner Alexanderplatz in die Hhe wchst. Darunter in noch greren Buchstaben: Weil Frieden nicht selbstverstndlich ist. Die Menschen, die Tag fr den Tag den prominenten Platz berqueren wie ich, knnen gar nicht anders als hinsehen. Klar: Hier wirbt die Bundeswehr. Groflchig in der ganzen Stadt. Unten dann das Kleingedruckte: Wehrdienst machen Frieden sichern.

An diesem Aufruf scheiden sich die Geister. Suche nach Kanonenfutter titelte eine Berliner Zeitung. Ich verzichte an dieser Stelle auf die Wehrdienstdebatte. Auch in der evangelischen Kirche gibt es verschiedene Haltungen dazu, was denn nun tatschlich geboten ist, um Frieden herzustellen und ihn zu erhalten. Gerade erst im November hat die Evangelische Kirche in Deutschland eine Denkschrift zur Friedensethik verffentlicht. Und darin die verschiedenen Positionen dargestellt. Eine gute Hilfe, um sich selbst ein Urteil zu bilden.

Hilfe bieten die Kirchen brigens auch jungen Menschen an, die demnchst zur Musterung geladen werden: Finde DEINEN Weg - so das Motto des Beratungsangebots, damit Jugendliche fr sich entscheiden knnen, was fr sie zhlt und wie Frieden aus ihrer Sicht am besten gesichert werden kann.

Das strt mich tatschlich an dem Plakat der Bundeswehr: Das kleine Wrtchen wirklich. Mach, was wirklich zhlt das wertet Jugendliche ab, die anders denken und entscheiden. Ich bleibe trotzdem am Plakat hngen, nmlich beim Fettgedruckten, dem ich hundertprozentig zustimme: Frieden ist nicht selbstverstndlich. In der Welt nicht. In Europa nicht. Im Netz nicht. In der Schule und am Arbeitsplatz nicht und zu Hause auch nicht. Friedenssicherung ist also ein Thema fr uns alle, nicht nur fr Soldatinnen und Soldaten und die, die demnchst zur Musterung mssen.

Wie also werden wir friedenstchtig? Statt wtend zu schimpfen auf Politik oder Bundeswehr oder Wehrdienstbefrworter oder -gegner, hilft es, die Dinge konkret zu machen: Was zhlt denn wirklich? Was kann ich selber tun, damit Frieden ist und Frieden bleibt? In meinem Umfeld. In meiner Stadt. Vor meiner Tr, in meinem Bro, in meinem Wohnzimmer.

Wirklich friedenstchtig bin ich leider nicht immer. Und wehrhaft genug, andere zu verteidigen, die angegriffen werden, leider auch nicht. Die aktuelle Lage bringt es da eher mit sich, dass mein eigenes Aggressionspotential noch wchst und ich schneller auf der Palme bin und unduldsamer mit anderen. Der stndige Krisenmodus, in dem wir uns befinden, kratzt an der Seele, macht wund und anfllig. Und damit auch schnell aggressiv.

Gerade deshalb bleibt es dabei: Den Frieden sichern, das geht uns alle an. Und will gebt sein. Unter Geschwistern, wenns ums Teilen geht. In der Schule, wenn Kinder heute zu Konfliktlotsen und Streitschlichterinnen ausgebildet werden. Groartig - auch fr Erwachsene. Konfliktlotse und Streitschlichter das wre auch eine passende Beschreibung fr Jesus von Nazareth. Denn der hat Gewaltverzicht nicht nur gepredigt. Er hat sehr konkret mit groen Menschen gebt, wie das gehen kann: Konflikte beenden, bevor sie eskalieren. Streit schlichten, ehe Gewalt ausbricht. Wer von euch ohne Snde ist, werfe den ersten Stein! war so ein erfolgreiches Lotsenwort von Jesus. Das bewirkte, dass Mnner den Stein fallen lieen, den sie schon in der Hand hatten, um ihn auf eine Frau zu werfen.

Was also kann ich tun? Wie kann ich dafr sorgen, dass Frieden wird in meiner Umgebung - auch in mir?

Whrend ich den Alexanderplatz berquere, der leider oft schon Schauplatz von Gewalt wurde, fallen mir gleich mehrere Sachen ein, wie ich mich ab sofort friedlicher verhalten kann: Mehr Konfliktlotsin sein als Rechthaberin. Mehr abwarten als gegenhalten. Mehr zuhren statt laut werden. Mehr Gelassenheit statt Ausrasten. Das wren fr mich erste Schritte. Mach, was wirklich zhlt fr den Frieden.

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