Lichtvorrat
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15600/lichtvorrat
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Martin Vorlnder
aus Frankfurt am Main
Lichtvorrat 02.02.2026
Fr eine Freundin von mir ist heute der letzte Tag von Weihnachten. Sie zelebriert die Weihnachtszeit immer bis ultimo, also bis zum 2. Februar. Der Tag heit in der evangelischen Kirche Tag der Darstellung des Herrn und in der katholischen Mari Lichtmess. Damit endet das Christfest sogar fr die, die es besonders lange auskosten wollen. Meine Freundin packt heute ihre Krippe ein und rumt die Weihnachtsdeko weg.
Weihnachten ist genau 40 Tage her. 40 Tage nach Jesu Geburt gehen seine Eltern Maria und Josef nach damaligem Brauch in den Tempel, um ihr Neugeborenes segnen zu lassen. Daher der Name Darstellung des Herrn Jesus wird dargestellt, also Gott gezeigt und Gott anvertraut.
40 Tage. In unserer Zeit heien die sechs bis acht Wochen nach einer Geburt Wochenbett. Ich hre von frisch gewordenen Eltern um mich herum: Das Wochenbett ist eine wichtige Zeit, damit Mutter und Kind sich krperlich und seelisch von der Geburt erholen. Eine wichtige Zeit, damit die Eltern und ihr Neugeborenes sich aneinander gewhnen. Der Gang in den Tempel 40 Tage nach der Geburt und die Bitte um Segen markierten zur Zeit von Jesus den bergang zum Alltagsleben mit Kind.
Im Tempel sieht ein alter Mann namens Simeon das Jesus-Baby. Er nimmt es auf den Arm und dankt Gott: Meine Augen haben deinen Heiland gesehen, (), ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. (Lukas 2,30-31)
Jesus als Licht der Welt. Daher kommt der Brauch insbesondere in der katholischen und in der orthodoxen Kirche, heute Kerzen zu segnen. Der Gottesdienst am 2. Februar ist einer der bestbesuchten im Jahr. Viele bringen eine Kerze, manche sogar zwlf Kerzen in die Kirche. Eine Kerze fr jeden Monat im Jahr bis zum nchsten 2. Februar.
Ich bin nicht katholisch. Aber mir gefllt der Gedanke: Ein Lichtvorrat fr das ganze Jahr. Ich znde gerne in besonderen Momenten eine Kerze an. Wenn ich am Schreibtisch sitze und eine gute Idee brauche, lasse ich eine Kerze brennen. Die ruhige Flamme hilft mir, meine Gedanken zu sammeln. Dieses uere Zeichen erinnert mich daran: Ideen kommen nicht allein aus mir selbst. Sie knnen auch eine Erleuchtung von auen sein. Oder von oben.
Wenn ich in eine Kirche gehe zur Besichtigung oder zum Gottesdienst, dann znde ich gerne zwei Frbitt-Kerzen an, die es in den meisten Gotteshusern gibt: eine Kerze fr die Lebenden und eine fr die Toten. Manchmal mache ich davon ein Foto und schicke es den Menschen, an die ich gerade besonders denke. Ich spre dabei: Wir sind miteinander verbunden. Und das lsst das Leben leuchten.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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