Von guten Mächten wunderbar geborgen

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Martin Vorlnder

aus Frankfurt am Main

Von guten Mchten wunderbar geborgen 04.02.2026

Von guten Mchten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dieses Gedicht von Dietrich Bonhoeffer gehrt fr mich zu den Kostbarkeiten an wahren Worten. Und wie das mit Kostbarkeiten ist: Ich gehe achtsam damit um. Ich habe sie im Herzen und hole sie heraus, wenn ich sie besonders brauche. Bei bergngen und an den Bruchstellen in meinem Leben. Wenn ich fr jemanden da bin, dem es gerade schlecht geht. Wenn ich mich vergewissern will: Trotz allem, was meine Seele aufschreckt, gibt es Gottes gute Mchte.

Heute vor 120 Jahren, am 4. Februar 1906, wurde Dietrich Bonhoeffer in Breslau geboren. Das Gedicht Von guten Mchten hat er wenige Monate vor seinem Tod geschrieben. Da ist er 38 Jahre jung und sitzt im Kellergefngnis der Gestapo in Berlin. Als prominenter Gegner des NS-Regimes ist der evangelische Theologe seit mehr als eineinhalb Jahren in verschiedenen Gefngnissen inhaftiert.

Er darf nur sporadisch Briefkontakt haben mit seiner Verlobten Maria von Wedemeyer. Am Schluss seines Briefes vom 19. Dezember 1944 schreibt er an sie: Hier sind ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen. (1) Er wei: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wartet die Todesstrafe auf ihn. Er ist allein in seiner Gefngniszelle, getrennt von allen Menschen, die er liebt. Trotzdem dichtet er: Von guten Mchten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag.

Bonhoeffer fhlt sich behtet und getrstet wunderbar, obwohl seine Situation berhaupt nicht wunderbar ist, sondern zum Verzweifeln. Hoffnung hngt nicht davon ab, ob etwas gut ausgeht. Hoffnung lebt von dem Vertrauen: Gott ist bei uns, egal was kommt.

Wer oder was sind die guten Mchte? Bonhoeffer hat das konkret beschrieben: Die guten Mchte, das sind seine Verlobte, seine Eltern und Familie, seine Freunde. Er schreibt: Ihr seid mir immer ganz gegenwrtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, lngst vergangene Gesprche, Musikstcke, Bcher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein groes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realitt man keinen Zweifel hat.

Und dann erinnert Bonhoeffer an das alte Kinderlied von den Engeln, in dem es heit: Zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken. Und er schreibt dazu: () diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mchte (ist) etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.

Ich brauche das auf jeden Fall, die Vergewisserung: Gott ist bei uns mit seinen guten Mchten. Am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Also auch heute.

Es gilt das gesprochene Wort.

(1) Brautbriefe Zelle 92: Dietrich Bonhoeffer, Maria von Wedemeyer 19431945. S. 208

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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