Pfarrerskinder
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Jrg Machel
aus Berlin
Pfarrerskinder 05.02.2026
Es gibt Berufe, bei denen geht es nicht nur um den Menschen, der den Beruf ausbt nicht nur um die Person, die ganze Familie steht im Fokus. Vom Sohn einer Lehrerin zum Beispiel wird in der Schule erwartet, dass er in dem Fach der Mutter ebenfalls glnzt. Sind die Eltern Musiker, erwartet man auch von den Kindern eine gewisse Musikalitt. Pfarrerskinder teilen dieses Schicksal.
Ich selbst bin zwar Pfarrer, aber kein Pfarrerskind. Ich kenne diese besondere Perspektive also nicht selber. Aber in meiner Gemeinde fanden sich zwei Mnner und drei Frauen, die in Pfarrhusern aufgewachsen sind und ber ihre Kindheit im Pfarrhaus reden wollten.
Bei allen hatte der Vater die Pfarr-Rolle inne. Die fnf sprachen zwar auch ber ihre Mtter, ber die Geschwister und die Gemeinde. Aber immer wieder kamen die Gesprche auf den Vater zurck: den Pfarrer.
Das elterliche Pfarrhaus hat ihnen einen guten Boden zum Wachsen geboten. Aber sie haben auch immer einen Erwartungsdruck gesprt. Alle in der Runde stimmen zu, als einer sagt: Ich habe immer auf Vater geschaut, Vater aber hat immer ber mich hinweg auf die Gemeinde geblickt. Irgendwie hatte ich schon als Kind das Gefhl: Er wartet stndig darauf, dass auch ich mich der Gemeinde zuwende. Erst die Gemeinde, dann die Familie. Erst der Hilfesuchende an der Tr, dann die Sorge fr die Kinder.
An diesem Gesprchsabend war durchaus viel Dankbarkeit zu spren gegenber den Elternhusern. Sie lobten die kluge und anregende Atmosphre im Pfarrhaus, schtzten es, mit Bchern aufgewachsen zu sein. Aber alle fhlten, dass sie als Personen hinter der Mission des vterlichen Amtes hufig zu kurz gekommen sind.
Das geht nicht nur Pfarrerskinder so. Es gibt viele Kinder, deren Eltern sich stark engagieren im Beruf oder ehrenamtlich. Sie widmen sich einer wichtigen Aufgabe und verfolgen hohe Ideale. Die Gefahr ist gro, dass sie dabei den Blick verlieren fr die, die unmittelbar um sie herum sind.
Das geschieht meist unbemerkt oder wird kleingeredet. Weil ihnen das andere so wichtig ist, rcken die Kinder an den Rand. Die sollen funktionieren und sich eingliedern. Schlielich geht es um ein hohes Ziel.
Immer wenn Erwachsene ihrer Mission mit groem Engagement nachgehen, ist Vorsicht geboten. Ich habe die fnf erwachsenen Pfarrkinder in der Gesprchsrunde gefragt: Haben die Erfahrungen eurer Kindheit euch klger werden lassen? Sie haben gelchelt und vorsichtig gesagt: Ein wenig schon.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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