Gerne spenden

Shownotes

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Jrg Machel

aus Berlin

Gerne spenden 06.02.2026

Gemessen an ihren Mglichkeiten spenden Menschen mit wenig Geld mehr als reiche Leute.

Ich erinnere mich an eine Szene aus dem Film Der Salzpfad. Da ist ein Paar auf einem langen Kstenmarsch unterwegs. Sie wollen der Obdachlosigkeit trotzen, in die sie geraten sind, nachdem all ihr Hab und Gut gepfndet wurde. Sie haben nichts mehr. Selbst das Bankkonto ist nach einer Fehlbuchung gesperrt. Ihnen bleibt nichts als ein bisschen Hartgeld. Das haben sie von Touristen erbettelt.

In dieser Situation treffen sie auf ein junges Mdchen, das in schlechte Kreise geraten ist und abzurutschen droht. Sie muss raus aus dem Milieu. Fr die Fahrt zur Gromutter fehlt ihr das ntige Geld. Da kratzt das Ehepaar sein Geld zusammen und gibt es dem Mdchen. Und damit erffnen sich ihr Chancen, sich in Sicherheit zu bringen. Die beiden haben nicht viel und das Wenige geben sie aus Mitleid weiter.

Nicht lange vorher allerdings war das Ehepaar noch wohlhabend. Htte damals jemand bei ihnen an die Tr geklopft und auch nur ein Zehntel ihres Vermgens erbeten, sie htten ihn mit groer Wahrscheinlichkeit abgewiesen.

Es geht bei dieser Gegenberstellung weniger um Moral als um Struktur. Das Paar wusste in seiner eigenen Not: Das wenige Geld wird sie nicht retten. Fr das Mdchen aber ist es die letzte Chance. Sie folgen der biblischen Weisheit, dass der nchste Tag schon fr das Seine sorgen wird.

Htten sie vorher ihren Wohlstand geteilt, dann htten sie ganz andere berlegungen angestellt. Das Ersparte hat einen anderen Stellenwert, hat eine andere Funktion als das Geld, mit dem man das tgliche Brot bezahlt. Wohlstand verspricht Sicherheit, Unabhngigkeit, Zukunft. Da vertraut man nicht mehr auf den nchsten Tag, an dem einen schon etwas zufallen wird. Da will man unabhngig sein, autonom, vorgesorgt haben.

Das berhrt die Frage: Wovon leben wir? Und pltzlich geht es nicht um die Moral, sondern um unsere Einstellung zum Leben und, wenn man so will, um unseren Gottesbezug. Leben wir aus den Sicherheiten, die wir uns schaffen, die wir schtzen und mehren? Oder leben wir aus dem Gefhl heraus, dass wir beschenkt sind und immer neu darauf vertrauen knnen, beschenkt zu werden?

Es lohnt sich, darber nachzudenken: Wie viel muss ich haben, um geizig zu werden? Und ab wie wenig werde ich grozgig?

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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