Asche

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15609/asche

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Tobias Petzold

aus Berlin

Asche 18.02.2026

Heute ist Aschermittwoch. Gestern noch war es vielerorts bunt und laut und ausgelassen. Nun dagegen ist Stille. Der Kalender macht dafr keinen sanften bergang. Um Mitternacht ist alles vorbei: Die Musik verstummt, die Masken verschwinden. Der Alltag kehrt zurck oft schneller, als uns lieb ist.

Asche ist ein starkes Symbol. Sie erinnert an das, was vergeht. Was verbrannt ist, bleibt nicht glnzend zurck. Asche ist grau, schmutzig, unscheinbar und leicht. Ein Windsto gengt, und sie verweht. In der Bibel steht: Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurckkehrst. (1 Mose 3,19)

Das klingt hart und ist doch eine realistische Feststellung. Unser Leben ist begrenzt. Unsere Krfte sind es auch. Wir sind nicht unendlich belastbar, nicht allmchtig, nicht immer stark. Auch der grte Jeck wird einmal mde. Aschermittwoch widerspricht der Illusion, alles im Griff zu haben. Zugleich liegt in diesem Tag eine leise Freiheit. Wenn ich nicht alles sein muss, wenn ich mir meine Begrenztheit eingestehen darf, dann kann ich neu anfangen. Die Asche markiert keinen Endpunkt, sondern einen Anfang. Sie steht am Beginn der Fastenzeit einer Zeit der Klrung.

Fasten heit nicht nur: weniger essen. Es kann heien: weniger Lrm. Weniger Ablenkung. Weniger Selbsttuschung. Mehr Aufmerksamkeit fr das, was trgt. Fr das, was wichtig ist. Aschermittwoch ldt ein zu einer Zeit des Innehaltens. Ehrlich werden. Vor sich selbst und vor Gott. Nicht um sich klein zu machen, sondern um wieder Ma zu finden. Zwischen Wollen und Wirklichkeit. Zwischen Tempo und Tiefe.

Egal, ob Alkohol- oder TikTok-Fasten, ob bewusstes Reden oder anderes Hren - jede Neuorientierung kann einen Schnitt machen mit Verhaltensweisen, die fr mich selbst und vielleicht auch fr andere nicht gut sind. In einer Welt, in der scheinbar immer alles mglich ist, wirkt es umso intensiver, wenn ich die Kreislufe des Gewohnten unterbreche. Das weist den Blick neu auf das Wesentliche.

Darum meint Aschermittwoch:

Asche aufs Haupt.

Das Falsche sehen, einsehen und selbst ein Einsehen haben.

Damit am Ende nicht alles nur Asche ist.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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