Gefährliche Schätze
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15561/gefaehrliche-schaetze
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Es war einmal ein Mensch, der fand einen Schatz. Und er sprach: Was soll ich tun? Eigentlich kann ich diesen Schatz zu nichts brauchen, aber ich will ihn trotzdem behalten. Ab heute ist es mein Schatz. Ich habs: Ich will diesen Schatz hten und immer bei mir tragen. Ich will mein Leben diesem Schatz verpflichten. Der Mensch gab sein ganzes Leben auf, alles Schne, seine Familie und alle Freundschaften. Er wurde mit seinem ganzen Wesen ein Schatzhter. Der Schatzhter eines kleinen goldenen Rings. Sein eigenes Leben war damit verwirkt, beendet, vorbei. Frher hie er Smagol. Aber der war mit dem Schatz gestorben. Nun war er nur noch Gollum, der Schatzhter.
Gollum ist eine Erfindung des Schriftstellers Tolkien fr sein Werk Der Herr der Ringe. Gollum war einmal ein Mensch. Bis ein Ring ihn so vereinnahmt, dass er alles Menschliche an sich vernachlssigt, vergisst und verliert. brig bleibt: der Schatzhter. Nicht mehr und nicht weniger. Sein ganzes Sein und Wollen ist darauf ausgerichtet, diesen kleinen goldenen Ring zu beschtzen.
Schtze sind in Geschichten meist eine feine Sache. In Mrchen sind sie die Belohnung fr die Heldin, den Knigssohn oder die mutige Piratin. Aber manche Geschichten erzhlen auch davon, dass Schtze gefhrlich werden knnen. Denn Schtze verndern die Menschen, die sie finden.
Jesus erzhlt einmal eine Geschichte, die ein bisschen an die von Gollum erinnert:
Ein reicher Grundbesitzer hatte eine besonders gute Ernte gehabt. Was soll ich jetzt tun?, berlegte er. Ich wei gar nicht, wo ich das alles unterbringen soll! Ich habs, sagte er, ich reie meine Scheunen ab und baue grere! Dann kann ich das ganze Getreide und alle meine Vorrte dort unterbringen und kann zu mir selbst sagen: Gut gemacht! Jetzt bist du auf viele Jahre versorgt. Gnne dir Ruhe, iss und trink nach Herzenslust und geniee das Leben! Aber Gott sagte zu ihm: Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurckfordern! Wem gehrt dann dein Besitz? (1)
Die Geschichte ist seltsam. Ich finds hart, was dem armen reichen Kornbauern passiert. Aber dann denk ich mir: So ist es eben. Im Tod hilft einem auch kein Reichtum. Soll Gott die Wahrheit beschnigen? Meine Schwieger-Oma sagte etwas hnliches, wenn sie den Enkel:innen Geld zusteckte: Ich kanns ja nicht mitnehmen.
Aber Jesus will mit der Geschichte mehr sagen als das. Er bringt ein paar Verse spter auf den Punkt, worum es ihm geht: Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Der reiche Kornbauer will ein Schatzhter werden. Er hngt sein Herz ganz an seine groe Ernte und richtet sein Leben darauf aus. Will grere Scheunen bauen, die alten abreien. Und meint: Dann hat er ausgesorgt. Gar nicht so unhnlich zu Gollum erklrt auch er sein bisheriges Leben hiermit fr beendet.
Pass auf, was du dir wnschst, will ich fast zynisch sagen. Denn in der nchsten Nacht ist sein Leben beendet. Gott selbst verkndet es ihm: Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurckfordern.
Jesus aber erzhlt die Geschichte nicht zynisch, sondern frsorglich. Niemand wird lebendiger durch Reichtum. Sagt er mit dieser Geschichte behutsam. Nicht Gollum, nicht der reiche Kornbauer. Es gibt gute Schtze und es gibt schlechte Schtze. Die einen helfen zum Leben, die anderen begraben uns lebendig.
Jesus weist liebevoll auf eine mgliche Gefahr hin, vor der er uns bewahren will. Ich hre ihn so: Ich wei, Menschen neigen manchmal dazu, Dinge zu wollen, die ihnen nicht gut tun. Doch wo dein Schatz ist, da wird dein Herz sein. Deshalb achte auf dich. Achte auf dein Herz. Hng es nicht gedankenlos an irgendeinen Schatz. Sperr es nicht in einen Tresor. Platzier es gut. Hng es nicht an Vergngliches oder es wird vergehen. Hng es nicht an Materielles, denn das ist leicht zerstrt. Hng es an einen Ort voller Leben und Liebe. An einen ewigen Ort. Hng es an Gott. Da hngt es gut.
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