Dazulernen

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15614/dazulernen

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Sabrina Fabian

aus Berlin

Dazulernen 05.03.2026

Von vielem, was mein einjhriger Sohn macht, lasse ich mich inspirieren. Ich finde es zum Beispiel faszinierend, wie gern er etwas lernt. Fast jeder Tag ist fr ihn eine aufregende Expedition. Alles, was er an sich ndert, wirkt wie ein kleiner Triumph. Von heute auf morgen hat er angefangen zu laufen. Wie stolz er seine ersten Schritte gemacht hat. Eines Tages nahm er einfach den Lffel in die Hand. Mit den Fingern essen hlt er seitdem fr zweitrangig. Was er neu lernt, das macht ihm unbndige Freude.

Ich nehme an, ich war in seinem Alter auch so. Aber irgendwann habe ich die Freude am Dazulernen verloren.

Wenn ich heute entdecke, dass ich mein Verhalten oder eine Einstellung besser ndern sollte, dann ist mir das hochpeinlich. Mir wird ganz hei, ich spre die Rte in meine Wangen schieen. Ich fhle mich ertappt, ungengend, als htte ich etwas bersehen.

Aber mein kleiner Sohn lsst mich berlegen: Ist das wirklich die einzig mgliche Sicht auf Fehler?

Was wre, wenn ich mich nicht schmen, sondern darber freuen knnte, wenn ich etwas dazulerne?

Ist es nicht vollkommen in Ordnung, Fehler zu machen?

Die Jngerinnen und Jnger Jesu sind Weltmeister im Fehlermachen. Stndig weist Jesus sie auf etwas hin oder fhrt ihnen eine Fehlannahme vor Augen und korrigiert sie.

Zum Beispiel, als kleine Kinder zu Jesus wollen, um seinen Segen zu bekommen. Da halten die Jnger sie ab. Warum genau sie das tun, wird nicht verraten, nur, dass Jesus es vollkommen anders will. In der Bibel steht:

Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, dass er sie anrhren sollte. Als das aber die Jnger sahen, fuhren sie sie an. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehrt das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Lukas 18,15-15; Matthus 19,13-15; Markus 10,13-16)

Wie haben sich die Jnger gefhlt, nachdem Jesus sie so zurckgewiesen hat? Haben sie sich geschmt? Sie htten es sich ja selbst denken knnen, wie wichtig Kinder sind? Oder haben sie sich gefreut? Sie haben schlielich etwas ber das Reich Gottes gelernt, das sie vorher nicht wussten.

Ich stelle mir vor, wie Jesus ganz ruhig zu ihnen spricht. Er teilt mit ihnen einen Schatz. Ich wnsche ihnen, dass sie sich gefreut haben. Ich wnsche ihnen, dass sie ihre falschen Annahmen und ihre Verhaltenspatzer lieben gelernt haben. Denn sie bringen sie weiter.

Und ich wnsche mir, dass ich Fehler wie kleine Triumphe feiere. Sie bringen mich weiter.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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