Mutterstunde
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Sabrina Fabian
aus Berlin
Mutterstunde 06.03.2026
Im ersten Lebensjahr eines Kindes werden Nchte sehr lang. Ich habe mich als junge Mutter wie ein nachtaktives Tier gefhlt genauer gesagt: wie ein nachtaktives Sugetier. All die Stunden zwischen zwei und vier Uhr frh, die ich mit meinem Sohn stillend am Tisch sa. Um uns das gedimmte Licht, das uns in einen goldenen Schein tauchte. Unsere goldene Stunde.
Nicht jede dieser Nchte war leicht. Ich war hufig berwltigt, bermdet und berfordert. Aber in den meisten Nchten fand ich es trotzdem gemtlich: In dieser Stille und in diesem gedimmten Licht so innig mit meinem Baby zu sitzen.
Dabei geholfen hat, dass jemand fr uns gebetet hat. In einem kalifornischen Kloster stellen sich Nonnen fr Mitternacht einen Wecker. Sie stehen auf, um fr Mtter auf der ganzen Welt zu beten, die mit ihren Kindern wach sind. Mutterstunde nennen die Nonnen ihr nchtliches Gebet.
Ich selbst habe von diesem Gebet nur online gelesen in einem Bericht einer Mutter, die darber erzhlt hat. Die Malerin und Mutter Leanne Bowen war in diesem Nonnen-Kloster fr eine Auszeit. Sie nahm auch an dem Gebetsplan der Nonnen teil. Und um Mitternacht betete sie mit den anderen eine Stunde lang in der Mutterstunde. Diese Gebetspraxis hat sie beeindruckt und gerhrt. Ihr wurde klar: All die Nchte, in denen sie als Mutter sich so mde und allein und ausgedrrt gefhlt hat, waren die Klosterschwestern mit ihr wach und haben auch fr sie gebetet. Dieses Gebet hat etwas in ihr verndert, schreibt Bowen in einem Post auf Social Media.
So geht es mir auch, seitdem ich von dem Mutterstundengebet gehrt habe. Gebete haben Wirkung. Wir verndern die Welt durch Gebete. Zum Beispiel durch ihren Effekt auf die Menschen, fr die Gebete gesprochen werden.
Es ist ein liebevoller Akt, fr jemanden zu beten. Die Nonnen dieses Ordens bringen die Schicksale von Menschen vor Gott. Sie ahnen, wie schwer die Nchte mit Sugling sind. Sie wertschtzen die Anstrengung und den Einsatz der Mtter. Sie sind in Gedanken und mit Worten bei ihnen und stehen ihnen so ber geografische Grenzen hinweg bei. Die Nonnen formulieren Bitten fr diese Frauen und ihre Kinder vor Gott. Deutlicher knnten sie nicht sagen: Wir kmmern uns um euch. Ihr Gebet ist Frsorge, lebendiges Wort, Sprache mit Wirkung.
Diese Nonnen schenken Mttern auf der ganzen Welt eine Stunde: Mutterstunde, goldene Stunde, Gebetsstunde.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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