Bilder im Kopf

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15612/bilder-im-kopf

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Sabrina Fabian

aus Berlin

Bilder im Kopf 07.03.2026

Ich habe jemanden getroffen, der sich fr sein Bild von Jesus rechtfertigen musste.

Samson Goetze ist Illustrator. Die Chefredaktion eines deutschlandweiten Magazins hat ihn beauftragt: Wir brauchen Jesus auf dem Titel.

Und so sah der Jesus von Samson Goetze dann aus:

Ein Mann im beigefarbenen Umhang. Er sitzt an einem Tisch. Mit den Ellbogen sttzt er sich auf die Tischplatte. Mittellange Haare, braune Augen, Bart. Dunkle Haut, schrg geneigter Kopf, Sorgenfalten auf der Stirn. Die Hnde suchen nach einem Gegenber.

Samson Goetze hat sich auf historische Darstellungen spezialisiert. Er versetzt sich in die vergangene Zeit und malt Menschen mit ausdrucksstarken Gesichtern. Zu seinen Auftraggebern zhlen Magazine und Museen, darunter auch das Museumsdorf Dppel im Westen Berlins. Dort habe ich Samson Goetze getroffen. Wir waren beide bei der Erffnung einer Ausstellung: Er, weil er Menschen gemalt hat, die mglicherweise vor 800 Jahren in Dppel gelebt haben. Ich, weil ich neben dem Studium fr das Museum gearbeitet habe.

Ich hatte gehrt, dass er den Jesus auf dem Magazin-Cover gestaltet hat. Wie er zu dem Bild gekommen sei?, habe ich den Illustrator gefragt. Goetze erzhlt: Er hat viel recherchiert. Er hat Texte aus der Zeit Jesu gelesen. Und er hat forensische Befunde herangezogen dabei rekonstruieren Forscher Gesichter auf der Grundlage von alten Schdeln. So hat Goetze sich fr die Gesichtszge von seinem Jesus entschieden, die er schlielich gemalt hat.

Es gab viele Reaktionen auf das Titelbild. Eine Reaktion habe ihn besonders berrascht: Manche Leser*innen haben sich darber emprt, dass sein Jesus dunkle Haut hat. Fr manche Menschen scheint das nicht in ihr Bild zu passen.

Wer Jesus mit weier Haut im Kopf hat, schliet alle anderen Hautfarben aus. Wir wissen nicht, wie der historische Jesus aussah. Aber wir knnen uns einem Bild von ihm annhern. So wie der Illustrator es getan hat. Mit dem Wissen, das wir ber die Menschen seiner Zeit und seiner Heimat haben. Wir knnen uns an historischen und regionalen Fakten orientieren. Schlielich war Jesus mindestens auch Mensch.

Und Christinnen und Christen glauben: Er war Gottes Sohn.

Was macht das mit unserer Vorstellung von Gott? Auch von Gott gibt es viele sehr feste Bilder. Zahlreiche Gemlde zeigen ihn als alten, weien Mann. Also kann ich mir Gott nicht als junge Frau vorstellen? Als schwarze junge Frau? Doch, ich kann.

Gott bersteigt unsere Vorstellungskraft. Mein persnliches Bild von Gott ist eine Vorstellung, zeigt eine Weise, wie ich Gott erlebe. Gleichzeitig denke ich immer mit: Gott ist mehr. Mehr als die Bilder, die ich mir von ihm mache, und mehr als die Worte, die ich fr sie finde.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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