Einmal innerlich durchputzen, bitte!
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15569/einmal-innerlich-durchputzen-bitte
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Na, fastest Du?, fragt mein Freund, der Hedonist, per WhatsApp. Er wei, dass ich eine begeisterte Fasterin bin. Gerade nicht, schreibe ich ihm zurck. Aber demnchst wieder.
Ich wrde glatt auch mal, meint er, aber ich wei noch nicht recht, warum ich fasten sollte, wenn ich auch genieen kann. Das schliet sich nicht aus, antworte ich, das bedingt sich sogar. Du ahnst nicht, wie gut der Apfel schmeckt, nachdem du eine Woche nichts Festes gegessen hast. Und noch besser nach zwei Wochen. Er schickt den Augenroll-Smiley.
Niemand muss fasten, denke ich. Diese Zeit bis Ostern ist ein Angebot. Eine Einladung.
Weglassen lernen solche Skills brauchen wir.
Wenn ich faste, wenn ich auf feste Nahrung verzichte, ist das fr mich eine Pausentaste. Einmal durchputzen bitte von innen.
Das habe ich meinem Hedonistenfreund schon mehrfach gesagt. Er hat da immer spttisch geguckt.
Es ist doch verrckt, denke ich, dass wir so eine Sauberkeits-Gesellschaft sind, die fr jedes kleinste Detail ein Reinigungsmittel hat. Im Baumarkt: ganze Regalreihen nur Reinigungsmittel. Und in den Drogeriemrkten. Fr jede Holzart extra und den Boden und die Fugen. Und fr trockene Haut und Mischhaut und Co. Warum ist es so unpopulr, das Innere mitzudenken? Magen und Darm, um es mal auszusprechen. Und Galle und Leber. Und immer, wenn ich das erzhle, verlieren andere schlagartig das Interesse am Thema.
In den meisten Religionen ist Fasten ein wichtiger Bestandteil. In meiner auch. Das wird nur gern vergessen. An vielen Stellen der Bibel wird es ganz selbstverstndlich erwhnt. David fastet, bevor er Knig wird. Jesus fastet, bevor er anfngt, ffentlich zu reden. In Ninive fastet eine ganze Stadt intensiv, um dem drohenden Untergang zu entgehen. Eine ganze Stadt das muss man sich mal vorstellen. Und nicht nur Gummibrchen. Sie fasten richtig. Und stimmen Gott um. Er sieht: Sie wollen sich ndern, er macht den Weg frei.
Weglassen knnen, um zu sehen, was zu viel ist. Und was fehlt. Um essenziell zu werden, wesentlich. Um Fokus zu bekommen. Um Gott wieder zu ahnen.
Das geht nicht im stndigen berfluss. Fr den sind wir einfach nicht gebaut.
Fr das Fasten allerdings schon. Bevor die Frhmenschen ein Bison erlegen konnten, mussten sie fter schon einmal etwas lnger jagen. Mangel hat der Krper eingepreist, berfluss nicht.
Mein Hedonistenfreund unterschtzt, wie gut wir genieen knnen, wenn wir nicht dauernd mit Verdauen beschftigt sind, wenn der Krper leer wird und aufnahmefhiger fr alles andere. Mehrfach habe ich erlebt, wie Menschen, wenn sie sich ber religise Themen unterhalten haben, ansprechbarer wurden, den Frhling mehr gerochen haben, das Pltschern des Baches hren konnten und sich daran freuten.
Denn das Weglassen bewirkt, dass die Selbstreinigung einsetzt, dass sich der ganze Mensch klrt auch bis ins Seelische hinein. Ich fand es immer so groartig zu sehen, wie bisher sichtlich schlechtgelaunte Menschen nach drei, vier Tagen Fastenkur auf einmal wieder herzhaft lachen konnten und angefangen haben, sich mit anderen zu unterhalten. Wie sie eher mitbekommen haben, wer neben ihnen sitzt. Das ist einfach wunderbar fr alle.
Und wie gut, wenn Leib und Seele regelmig loslassen knnen. Wenn alle Zellen das abspeichern: Bald wird hier wieder saubergemacht. Es lohnt durchzuhalten.
Ich schicke dem Freund die Adresse eines guten Fastenhotels. Und die Sffisanz seines Du hast ja recht lese ich aus seiner Antwort mit. Und wei, dass er sich darauf einen Ros in sein Glas schenkt. Mge es bekommen!
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