Lebensbuch
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrer Eberhard Hadem
aus Roth
Lebensbuch 19.03.2026
Der irische Dichter und Schriftsteller Clive Staples Lewis hat in der Trauer um seine verstorbene Frau einen Gedanken gefasst, der am Ende eine berraschende Wendung bekommt: Das Leben eines Menschen ist ein Buch. Sein irdisches Leben mit allen Erfahrungen und Erlebnissen ist allerdings schon auf der Titelseite komplett aufgeschrieben worden. Da ist festgehalten, wie dieser Mensch selbst sein Leben sieht, wie er es versteht; sozusagen sein persnliches irdisches Tagebuch.
Es ist ein groes Buch mit einer groen Titelseite, auf der gengend Platz ist, um alle Lebenstage und Erfahrungen aufzuschreiben. Unbeirrt von den Einsprchen anderer hlt der Mensch dort mit seinen eigenen Worten fest, wie er selbst sein Leben beurteilt und wie er es beurteilt sehen mchte.
Und wenn manchmal nicht so ganz klar ist, wie er bewerten soll, was er gelebt hat, so schreibt er dort auf, was ihn motiviert und angetrieben hat; seine Beweggrnde und seine Ziele. C.S. Lewis meint: Der Mensch ist frei, sein Leben ganz so, wie er es sieht, aufzuschreiben, seine Urteile ber sein Leben festzuhalten.
Und wenn der Mensch dann eines Tages stirbt, wird im Himmel vor seinen Augen dieses dicke Buch aufgeschlagen und darin sind lauter leere, unbeschriebene Seiten zu sehen. Denn jetzt kommen Gott und Mensch ins Gesprch darber, wie Gott das irdische Leben dieses Menschen gesehen hat.
So stelle ich mir vor, wie auch ich eines Tages Gott gespannt zuhren werde, wie er mein Leben sieht und neu erzhlt. Nicht in Soll und Haben gemessen, sondern als meine Geschichte, gesehen mit den Augen Gottes.
Ich vermute, dass ich staunen werde. Manchmal werde ich es kaum glauben knnen, was ich hre und aufschreibe. Erschrecken wird auch dabei sein. Auch manche berraschung werde ich im Himmel hren und aufschreiben. Nichts wird weggelassen. Alles ist da und oft vermutlich anders, als ich selber es sehe. Und auch anders, als andere Menschen mich sehen und mich im Rckblick beschreiben wrden.
Wenn ich gestorben bin, spricht Gott mit mir ber mein Leben. Und ich bin C.S. Lewis dankbar fr seine starke Idee mit diesem groen Lebensbuch.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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