Barmherzigkeit
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15570/barmherzigkeit
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Wie geht gutes Leben? Zum Beispiel mit Barmherzigkeit. Schon am Anfang des Lebens sind wir Menschen abhngig davon, dass andere barmherzig mit uns sind. Der schreiende Sugling braucht die Aufmerksamkeit von Mutter und Vater, die liebevolle Zuwendung von Menschen, die ihm geben, was er zum Leben braucht.
Und so geht es weiter. In jeder Entwicklungsstufe des Lebens bentigt der Mensch andere Menschen, die ihr Herz nicht verhrten, sondern barmherzig sind. Ob es um eine Wunde am Knie geht oder Liebeskummer, eine verpatzte Prfung oder das Ende einer Freundschaft ohne Barmherzigkeit ist das kaum auszuhalten. Auch Kleinigkeiten sind entscheidend. Wenn mir meine Enkelin ein Bild zeigen mchte, das sie gemalt hat, dann braucht sie meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung.
Wie geht gutes Leben? Auf seinem letzten Lebensweg, vor der Kreuzigung in Jerusalem, wird Jesus dazu fter gefragt. Jesus whlt als Antwort Geschichten. In einer geht es um Barmherzigkeit, und sie ist zu einer der bekanntesten Geschichten geworden: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.
Jesus erzhlt: Ein Mensch wird von Verbrechern ausgeraubt und lebensgefhrlich verletzt. In der Folge gehen Passanten einfach an dem Verletzten vorbei. Einzig ein Mann aus einer nicht gerade befreundeten Volksgruppe, ein Mann aus Samaria, leistet erste Hilfe und sorgt dafr, dass der Kranke bis zur vollstndigen Genesung gepflegt wird. Er bringt ihn zu einer Herberge, wo er versorgt werden kann.
Wie geht gutes Leben? Interessanterweise ist Barmherzigkeit keine eindimensionale Angelegenheit. Wer barmherzig ist, gewinnt auch fr sich Lebenssinn. Denn es ist nicht wenig, wenn ich dazu beitragen kann, dass es einem anderen Menschen besser geht. Das, was seinen Schmerz lindert, wenn ich ihm Aufmerksamkeit schenke, das tut auch mir gut.
Der barmherzige Samariter ist nach seiner Hilfsaktion ganz sicher nicht missmutig weitergezogen, obwohl ihn die Versorgung des Verletzten Zeit und Geld gekostet hat. Ich war jahrzehntelang in der Notfallseelsorge aktiv und wei darum, dass ich nach einem Einsatz, bei aller mitfhlenden Trauer, auch glcklich und zufrieden war, etwas Licht ins Dunkel bringen zu knnen. Notfallseelsorge ist anstrengend, fordert Zeit und Kraft. Doch im Anschluss spre ich: Das, was ich tun kann, hat Sinn. Und das schenkt meinem Leben Bedeutung.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt auch: Man muss sich in Barmherzigkeit nicht erschpfen. Die Herberge, in der der Verletzte gepflegt wird, ist sozusagen die Diakonie der damaligen Zeit. Es ist wichtig, Hilfe zu organisieren. Als Einzelner ist man sonst leicht berfordert.
Im Blick auf den Pflegenotstand in Deutschland gibt das Gleichnis ebenfalls Hinweise: Der Samariter bezahlt den Wirt, damit der den Verletzten pflegen kann. Es ist wichtig, die Pflegenden angemessen zu entlohnen. Und zwar so, dass Hilfe auch gern geleistet wird.
Was hilft zu einem guten Leben? Jesus sagt: Barmherzigkeit! Sie ist eine Haltung, die allen wohltut und die sich auch gesellschaftlich auswirkt. Dank der Barmherzigkeit unzhliger Menschen ist unsere Gesellschaft lebenswert und sozial. Manchmal ist es wichtig, Prsidenten daran zu erinnern: Herr Prsident, seien Sie barmherzig.
Und Jesus? Als er sein Gleichnis erzhlt hat, war er auf dem Weg nach Jerusalem. Dort wurde er wenig spter unbarmherzig gekreuzigt. Seine Haltung der Barmherzigkeit hat er sich noch im Sterben bewahrt. Das Lukasevangelium erzhlt: Einer, der mit ihm gekreuzigt wird, bittet ihn: Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus ist barmherzig: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Wie geht gutes Leben? Vielleicht sogar: Wie geht gutes Sterben? Mit Barmherzigkeit.
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