Haltung
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15571/haltung
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Wie geht gutes Leben? Ich meine: Mit Haltung. Einer Haltung der Wertschtzung, Aufrichtigkeit und des Mitgefhls seinen Mitmenschen und der Schpfung gegenber. Klingt einleuchtend, auch durchaus christlich, finde ich. Jesus gibt aber zu bedenken: Eine solche Haltung fllt einem nicht in den Scho. Die muss man sich erarbeiten, sie ist nichts fr Feiglinge. Deshalb braucht es Nachdenken, Kalkulation und gute Planung, um Haltung buchstblich durchzuhalten.
Auf seinem letzten Lebensweg, vor seiner Kreuzigung in Jerusalem, erzhlt Jesus dazu zwei Geschichten. Beide sind ebenso einleuchtend wie rtselhaft. Im Gleichnis vom Turmbau geht es um einen Bauherrn, fr den es wichtig ist, die Kosten vorab zu berschlagen, damit er nicht am Ende mit einer Bauruine zum Spott der Umgebung wird. Im Gleichnis von einem kampfeslustigen Knig geht es um einen Herrscher, der sinnvollerweise erst einmal berlegt, ob er mit seinen Truppen dem Gegner gewachsen ist. Sonst ist es besser, sich um Friedensgesprche zu bemhen.
Mit Kriegsfhrung kenne ich mich nicht aus, ich leide nur darunter. Und ich htte mir gewnscht, dass die Kriegstreiber vor einem jahrelangen, mrderischen Konflikt berlegt htten, ob der Angriff wirklich alternativlos ist. Was das Bauvorhaben angeht: Wer, so wie ich, schon einmal einen Altbau renoviert hat, kann Jesus nur zustimmen. Ohne eine solide Finanzplanung, die mit unangenehmen berraschungen rechnet, endet das Vorhaben im Fiasko. Soweit alles einleuchtend aber was hat das mit Haltung zu tun?
Der Vergleichspunkt ist die Vorbereitung. Haltung ist keine angeborene Eigenschaft, sie muss entwickelt werden und braucht kluge Planung und Strategie. Haltung ist kein Sprint, sondern die Langstrecke, die Energie frisst. Ganz hufig stt man auf Widerstnde. Und: Haltung ist etwas ganz Zentrales. Bei den Beispielen, die Jesus nennt, geht es um viel. Um Leib und Leben, Hab und Gut. Und interessanterweise auch darum, sich nicht lcherlich zu machen.
Letztlich geht es um die Gefahr, sich selbst zu berschtzen. Sowohl der Turmbauer als auch der kriegslustige Knig stehen im Regen, wenn sie unklug handeln. Ja, sie sind dem Spott der anderen ausgesetzt. Das ist bei einer Lebenshaltung auch der Fall. Was kann ich mir leisten, worauf muss ich verzichten? Was muss jetzt, was kann spter geregelt werden? Wer kann mich untersttzen?
Die Menschen, die sich gerade in den Unrechtsregimes dieser Welt fr Wertschtzung, Aufrichtigkeit und Mitgefhl einsetzen, knnen dazu viel erzhlen. Einige riskieren dafr sogar ihr Leben. Mich hat sehr bewegt, wie Alexander Nawalny vor seinem Tod bezeugt hat: Sein christlicher Glaube trgt ihn und schenkt ihm die Kraft, Haltung zu bewahren. Nawalny ist vergiftet worden. Und doch: Diese Haltung hat niemand tten knnen. Die trgt weiter.
Ich wei nicht, ob ich diese Kraft und den Mut htte. Haltung hat ihren Preis. Mag ich den zahlen?
Trotzdem bleibe ich dabei: Fr gutes Leben brauche ich Haltung. Und zum Glck gibt es andere, die mit mir der Ansicht sind: Es lohnt sich, dass wir uns fr Menschenrechte und Demokratie einsetzen und fr die Schwcheren in der Gesellschaft.
In meiner Kirchengemeinde treffen sich Menschen seit vier Jahren jeden Mittwoch, treu und gewissenhaft, um fr den Frieden zu beten. Manchmal, wenn meine Kraft wackelt, kann ich mich da anlehnen. Halt finden. Und Kraft.
Und Jesus selbst? Er hat Haltung bis zuletzt bewiesen. Dem Spott seiner Henker und der Leute, die bei seiner Kreuzigung zugesehen haben, zum Trotz. Weil Jesus seine Haltung durchgehalten hat, wurde sein Kreuz zum Halt fr viele. Zum Zeichen, das Kraft schenkt und Mut, die eigene Haltung zu bewahren. Nicht fr ein leichtes Leben. Aber fr ein gutes Leben.
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