Augen auf
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15573/augen-auf
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Wie geht gutes Leben? Ich meine: Augen auf! Es braucht Wahrnehmung. Genau hinsehen, um dann entscheiden zu knnen, auf was es gerade ankommt. Vielleicht will mir das Leben gerade etwas Wunderschnes schenken. Oder auf mich wartet eine Aufgabe. Oder ein Mensch. Manchmal hngt beides zusammen.
Wie geht gutes Leben? Auf seinem letzten Lebensweg, vor der Kreuzigung in Jerusalem, erzhlt Jesus dazu ein Gleichnis. Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus.
Jesus erzhlt von einem reichen Mann, der in Saus und Braus lebt. Jeder Tag ist fr ihn herrlich und in Freuden. Direkt vor seiner Tr liegt der arme Lazarus, krank und hungrig. Den Reichen kmmert das Schicksal des Armen nicht. Lazarus stirbt schlielich. Nach seinem Tod findet er Geborgenheit, so erzhlt Jesus, in Abrahams Scho. Der Scho das war in der Antike der Platz des Ehrengastes. Hier liegt derjenige, der von dem Gastgeber mit besonderer Wertschtzung angesehen wird. Lazarus findet in Abrahams Scho Trost.
Auch der reiche Mann stirbt, doch er landet in der Hlle. Sein Leben war wertlos. In seiner Qual bittet er Abraham darum, dass Lazarus ihm Linderung verschafft oder zumindest seine Familie warnt, damit sie nicht sein Schicksal erleidet. Beides wird ihm verwehrt. Er htte schon frher hinschauen knnen, jetzt ist es zu spt. Und auch fr seine Familie gibt es jetzt schon gengend Sehhilfen. Wenn sie nicht hinsehen wollen ihr Problem.
Wie geht gutes Leben? Klingt es da nicht altbacken, eine Geschichte von Abrahams Scho zu erzhlen? Oder von der Hlle? Viele Menschen haben sich frher, auch wegen dieses Gleichnisses, vor der Hlle gefrchtet. Die Kirchen waren ausgemalt mit Hllendarstellungen. Ich bin kein Fan von einer Pdagogik der Angst. Im Grunde braucht es auch gar keine Hllenphantasie. Die Warnung an sich ist ernst zu nehmen. Man kann sein Leben sinnlos vertun. Der Reiche htte hinsehen mssen. Es htte gereicht, Lazarus als Menschen zu sehen und barmherzig zu versorgen.
Der Reiche aber ist mit sozialer Blindheit geschlagen. Er denkt nur an sich. Noch in der Hlle ist Lazarus fr ihn lediglich Mittel zum Zweck, ein Dienstbote, den er nicht direkt anspricht. Im Rckblick schmecken die Leckereien seiner rauschenden Feste deshalb einfach nur schal und verdorben. So geht kein gutes Leben. Und die Worte des Gleichnisses er lebte alle Tage herrlich und in Freuden klingen im Rckblick fast ironisch.
Wie geht gutes Leben? Wer sich den Bauch vollschlgt, ohne jemals an die zu denken, die hungern mssen, macht sich selbst nicht glcklicher, im Gegenteil. Ein Festessen schmeckt wesentlich besser, wenn man zuvor wenigstens etwas gegen den Hunger in der Welt getan hat. Mir gefllt es, wenn Leute bei runden Geburtstagen auf Geschenke verzichten und stattdessen um Spenden bitten.
Besonders liebe ich an diesem Gleichnis seine feine Ironie. Das Gleichnis nimmt nmlich Lazarus wahr, beim Reichen vergisst es sogar den Namen. Bemerkenswert: Lazarus ist der einzige Mensch, der in einem biblischen Gleichnis mit Namen genannt wird. Jesus sieht bei einem armen Menschen, der von allen bersehen wird, genau hin.
Der Reiche dagegen bleibt namenlos, sein Leben ohne Wert. Chance vertan. Das ist dann schon die sehr ernste Botschaft des Gleichnisses: Man kann sein Leben vertun, es sinnlos fllen, verschwenden ohne Mehrwert.
Wie gelingt gutes Leben? Das Gleichnis meint: Vergiss die Armen nicht. Schau hin! Du bist nicht allein auf der Welt. Dann klappt das auch mit dem Feiern und Genieen.
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