Hartnäckigkeit
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15574/hartnaeckigkeit
Transkript anzeigen
Wie geht gutes Leben? Manchmal muss man hartnckig darauf hinarbeiten und nicht vorschnell aufgeben. Fr das eigene Lebensziel eintreten, auch wenn es erst einmal aussichtslos erscheint.
Ich kann mich an eine Situation in meinem Leben erinnern, da erschien mir das Weiterkmpfen aussichtslos. Zu viele waren gegen mich. Ein Freund hat mir gesagt: Du kannst aufgeben, das kann dir keiner verbieten. Aber den anderen wird es egal sein, wie schlecht es dir damit geht. Bleib dran! Ich habe mich dann auch mit seiner Hilfe aufgerafft. Und letztlich gewonnen.
Ich finde, jeder Mensch braucht, mindestens einmal im Leben, so eine Untersttzung. Als Hilfe zum guten Leben. Fr alle, die keinen so guten Freund haben wie ich damals, fr alle, die sich schwach und klein und machtlos fhlen, hat Jesus eine Mutmachgeschichte erzhlt. Auf seinem letzten Lebensweg, vor seiner Kreuzigung in Jerusalem, erzhlt Jesus das Gleichnis von einer armen Witwe, die sich gegen einen zynischen Richter durchsetzen muss.
In jeder Gesellschaft gibt es benachteiligte Menschen. Zu Jesu Zeiten waren es Witwen. Wenn diese keine Untersttzung durch ihre Familien hatten oder sogar von den eigenen Familienangehrigen um ihr Erbe betrogen wurden, hatten sie keine Chance. Im Grunde gilt das bis heute. Alleine ist es schwer.
Die Frau, von der Jesus erzhlt, findet sich mit ihrem Schicksal nicht ab. Sie bedrngt den ungerechten Richter, der fr sie zustndig ist. Sie wird richtig lstig. Der Mann bekommt Angst, dass die Frau ihm am Ende noch ein blaues Auge schlagen knnte. Das wre sowas von peinlich! Die Angst vor der Beschmung ist letztlich grer als seine Gleichgltigkeit und seine Korruptheit. So gewinnt die Frau am Ende tatschlich noch das, was ihr zusteht: Gerechtigkeit. Ihr Leben!
Wie geht gutes Leben? Das Gleichnis meint: Beharrlich sein, wenn es um das Leben geht. Was es zu einem guten Leben braucht, wird einem nicht unbedingt in den Scho geworfen. Dafr muss man sich immer wieder hartnckig einsetzen auch gegen Widerstnde. Das Gleichnis meint: Sage nicht, du bist zu klein. Du kannst viel bewirken wenn du trotzig bist.
Was braucht es zu einem guten Leben? Hartnckigkeit. Das gilt auch fr gesellschaftspolitische Themen.
Frauen sollten dabei nicht unterschtzt werden. Davon kann die Geschichte Sdafrikas berichten. 1977 rief die evangelische Frauenarbeit in Deutschland zum Boykott sdafrikanischer Nahrungs- und Genussmittel auf, um gegen das Unrechtsregemine der Apartheid zu protestieren. Der Boykott wurde am Anfang von kirchlicher Seite belchelt, manchmal sogar bekmpft. Was konnten ein paar Frauen schon ausrichten? Manchem leitenden Geistlichen waren die Frauen schier lstig.
Doch die lieen sich nicht einschchtern. Ich kann mich noch gut an die Frau erinnern, die mir das Ziel der Aktion damals Ende der 1970er Jahre erlutert hat. Eine kleine Person, energisch. Sie hie Hilde Fuchs, hatte immer ein Htchen auf dem Kopf und war adrett gekleidet. Sie war alleinstehend. Und kmpferisch. Man sollte alte Frauen nicht unterschtzen.
15 Jahre lang kmpften die Frauen mit dem Schlagwort Kauft keine Frchte aus Sdafrika. Die Aktion hat der sdafrikanischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefgt. Sie trug dazu bei, das Unrechtregime zu beenden.
Wie geht gutes Leben? Indem man sich einsetzt. Fr Gerechtigkeit, fr das, was einem zusteht: Freiheit, Anerkennung, Gleichberechtigung, Menschenwrde. Und Bildung.
Wie geht gutes Leben, auch fr Frauen? Hartnckig sein. So wie die Witwe, von der Jesus im Gleichnis erzhlt. So wie Hilde Fuchs, die unerschrockene Kmpferin gegen das Apartheidsregime, gemeinsam mit den anderen evangelischen Frauen.
Jesus hat Frauen ernst genommen. Und es waren mutige Frauen, die sich, nach seiner Kreuzigung, vor allen Mnnern, auf den Weg zum Grab gemacht haben.
Gutes Leben haben alle Menschen verdient. Sie bekommen es aber nicht geschenkt. Deshalb: Hartnckig sein! Es zahlt sich aus.
Neuer Kommentar