Vom Scheitern der hohen Erwartung
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Jrg Machel
aus Berlin
Vom Scheitern der hohen Erwartung 30.03.2026
Die Karwoche beginnt mit Jubel und endet mit Scheitern. Gestern an Palmsonntag haben Christinnen und Christen die Geschichte gefeiert, wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Es wurden in den Kirchen frhliche Lieder gesungen. Dein Knig kommt in niedren Hllen oder auch Tochter Zion, freue dich. Jesus kommt auf einem Esel in die Stadt. Ein Siegeszug ganz offensichtlich.
Wird diese Geschichte im Advent nachgespielt, so denkt man an die Geburt des Jesuskindes und alles hat seinen richtigen Platz. Aber am Palmsonntag? Zu Beginn der Karwoche? Da mutet diese Inszenierung deplatziert an. Wer die Passionsgeschichte Jesu kennt, hrt beim Hosianna dem Sohne Davids schon das Kreuziget ihn durch. Der Einzug in Jerusalem wird im Kontext der Karwoche zu einem Vorboten des Scheiterns. Der frenetische Jubel der Massen ist von sehr begrenzter Haltbarkeit.
Daran muss ich denken, wenn ich aktuelle Bilder sehe, die mir zeigen sollen, was die Massen denken, wie sie fhlen, was sie sich wnschen. Ich war dabei, als die Mauer fiel, als mich und viele ein unglaubliches Gefhl von Freiheit, Verbundenheit und Solidaritt berkam. Doch ich habe auch erlebt, wie schnell die Stimmung kippte und das Gefhl der Gemeinsamkeit verflog. Das Misstrauen wurde gro zwischen Ost und West, zwischen den Einheimischen und den Fremden.
Auch die Karwoche entwickelt eine Dramatik, die den Jubel von Palmsonntag wie einen groen Irrtum erscheinen lsst. Wie htte ich damals die Karwoche erlebt? Ich wei es nicht.
Was ich mitnehme aus der Erfahrung des Palmsonntags, ist eine Skepsis gegenber allem, was sich nach Zeitenwende anfhlt. Der Palmsonntag ist fr mich ein Bild dafr, wie jede und jeder seinen ganz persnlichen Traum in ein historisches Ereignis eintrgt und zum Mastab nimmt.
Der Mann, der da auf einem Esel in die Heilige Stadt einzieht, der kommt mit einer ganz eigenen Botschaft. Die ist weit weg von dem, was andere von ihm erwarten. Er reitet nicht auf einem Schlachtross dem Sieg entgegen. Er reitet auf eine Niederlage zu, die ihn mit Angst und Schrecken erfllt.
Jesus wei zunchst einmal nur um die Zumutung seines Scheiterns. Was ich wei und woran ich glaube: Hinter dem Scheitern liegt ein Sieg. Ebenfalls ein anderer Sieg, als viele ihn erwartet haben. Kein Triumph, der die Verlierer niedermacht. Sondern ein Fest des Lebens.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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