Vom Scheitern der Freunde
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Jrg Machel
aus Berlin
Vom Scheitern der Freunde 31.03.2026
Ein Mensch hat Angst. Todesangst. Er bittet seine Freunde: Bleibt bei mir und wacht mit mir! Aber die scheitern. Sie schlafen ein und lassen ihren Freund allein. So ist das in der Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane.
Jesus sprt den Hass, den er auf sich geladen hat. Seine Predigt eines Gottes, der die Gnade ber das Gesetz stellt, hat viele emprt. Durch seinen Umgang mit Auenseitern hat er auch die einfachen Leute gegen sich aufgebracht. Einen Fresser und Sufer haben sie ihn genannt. Das schwelende Unbehagen gegen ihn hat sich in Jerusalem zu einer offenen Feindschaft zugespitzt. Dieser Mann muss sterben so das Urteil seiner Widersacher.
Jesus wei, nicht ihm als Person gilt diese Wut. In Wahrheit hassen sie den Gott, an den er glaubt. Und so ist es Gott selber, mit dem er im Garten Gethsemane das Gesprch sucht. Lass diesen Kelch an mir vorbergehen, betet Jesus zu Gott. Und seine Jnger bittet er, ihm beizustehen in dieser Nacht der Entscheidung. Betet mit mir, so fordert er sie auf. Petrus, Johannes und Jakobus sind an seiner Seite. Sie wollen ihn strken.
Doch sie sind nicht in der Lage, die Bedeutung dieses Augenblicks zu erfassen. Wie also beten, wenn man nicht einmal wei, wofr man beten soll? So mgen sich die Jnger gedacht haben. Jesus betet, die Jnger schlafen ein.
Ich denke an meine Einstze als Notfallseelsorger und an meine Besuche in Krankenhusern und Pflegeeinrichtungen. Ich erinnere mich an meine Hilflosigkeit an der Seite von Verletzten, Schwerkranken oder Sterbenden. Oft hatte ich das Gefhl zu scheitern. Was habe ich in dieser Situation der Not zu sagen, wie kann ich angemessen beten?
Ich erinnere mich, wie ich an einem Krankenbett sitze und spre: Meine Worte kommen nicht an. Aber ein Blick voller Erwartungen ruht auf mir. Die Zeit scheint stillzustehen, und ich rede dann doch, und ich spreche einen Psalm und bete das Vaterunser, und der Blick bleibt erwartungsvoll, und ich werde immer hilfloser, und mich berfllt Mdigkeit. Ich spre: Ich darf noch nicht gehen und fhle doch, dass ich weg will, raus aus dem Zimmer, raus aus dem Gebude.
Ich scheitere. Ich scheitere mit den Jngern im Garten Gethsemane an einer Bitte, an einem Hilferuf, dem ich mich einfach nicht gewachsen fhle.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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