Vom Scheitern der Helden
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Jrg Machel
aus Berlin
Vom Scheitern der Helden 02.04.2026
Petrus wollte ein Held sein. Doch er ist gescheitert. Schon wieder. Gerade noch hat er Jesus im Stich gelassen, als er mit ihm im Garten Gethsemane beten sollte. Hierher kommen die Rmer, um Jesus festzunehmen. Als Aufrhrer soll er abgeurteilt werden. Hier rechnen die Rmer mit keiner Gegenwehr. Doch darin sollen sie sich tuschen. Petrus zieht sein Schwert und sucht den Kampf.
Er, dem Jesus vorhergesagt hat, dass er ihn verleugnen wird, setzt sein Leben aufs Spiel fr ihn. Eine mutige Geste. Ob sie Erfolgsaussichten hat, das sei dahingestellt. Zumindest zeugt sie von der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Petrus.
Petrus will kein Scheitern dulden, doch gerade darin scheitert er. Jesus nmlich nimmt sein Opfer nicht an. Seine Aufmerksamkeit widmet er dem Soldaten, dem Petrus ein Ohr abgeschlagen hat. Er versorgt ihn und heilt dessen Wunde. Dieses Paradox ist schwer zu verstehen. Petrus versteht es definitiv nicht. Als er spter befragt wird, ob er zu den Jesusleuten gehrt, leugnet er es: Ich kenne diesen Jesus nicht! Doch dann krht der Hahn und Petrus begreift: Jetzt erst habe ich ihn verraten.
Ich hatte krzlich Gelegenheit, mit Christoph Flgge zu sprechen. Er war Richter am Internationalen Strafgerichtshof fr das ehemalige Jugoslawien. Er hatte ber Kriegsverbrechen zu urteilen. Er sagte: Fast alle Angeklagten waren uneinsichtig. Sie hielten das, was sie anderen angetan haben, fr eine Heldentat.
Von Petrus steht in der Bibel: Als der Hahn krhte, begann er bitterlich zu weinen. In diesem Augenblick hat er begriffen, dass er gescheitert ist. Er ist einer falschen Vorstellung von Heldentum nachgelaufen. Es ging um viel Geringeres, als er vermutet hatte.
Als ich in der DDR zur Schule ging, gehrten viele meiner Lehrer zu der Generation, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt war. Kein einziger meiner Lehrer hat je darauf Bezug genommen. Sie waren Kmpfer fr den Sozialismus und aus.
Als im Lehrerzimmer hinter verschlossenen Tren noch verhandelt wurde, ob ich wegen meiner Einstellung zum Wehrdienst vom Abitur auszuschlieen sei, nahm mich ein lterer Kollege zur Seite. Er warnte mich vor dem, was sich da zusammenbraute. Nach dem Scheitern seiner Generation war das vielleicht der Mut der kleinen Geste.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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