KI - verteufelt gut

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15577/ki-teuflisch-gut

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Mirko will seiner hochbetagten Mutter eine Freude machen. Er sucht Bilder aus ihrer frheren Heimat heraus. Das Haus, in dem sie gro geworden ist. Die Strae, in der sie als Kind gespielt hat. Die Stadt, in der sie zur Schule gegangen ist. Die Fotos bearbeitet er mit KI, also Knstlicher Intelligenz. Er oder besser die KI kriegt es hin, dass es auf den Bildern so aussieht wie frher in den 50er und 60er Jahren, als seine Mutter dort gelebt hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Mirko ist ganz stolz, was er mit KI erreicht hat. So prsentiert er die Fotos seiner Mutter und erklrt ihr dazu, wie er das gemacht hat. Die bald 90-jhrige Mutter schaut sich die Bilder an und bricht in Trnen aus. Mirko denkt, ein voller Erfolg! Sie ist eben so gerhrt und freut sich. Dann aber sagt sie: Nichts ist mehr echt. Das ist so furchtbar. Deshalb muss sie weinen.

Intuitiv hat Mirkos Mutter begriffen, was das wunderbare Werkzeug KI mit uns Menschen macht. Alles erleichtert die sogenannte Knstliche Intelligenz. Sie bertrifft sich andauernd selbst und wird immer besser. Dabei ist sie uns Menschen gegenber immer freundlich zugewandt, ganz dienstbar und hilfsbereit. Es macht Spa. Damit zu spielen, ist sehr verfhrerisch.

Doch aus dem Spiel ist lngst Ernst geworden. Die Knstliche Intelligenz drngt sich in fast alle Lebensbereiche. Dort berflgelt sie uns Menschen schnell und ist lngst mehr als ein Hilfsmittel. Sie kopiert alle kreative menschliche Leistung, imitiert sie und flugs ist sie besser als jeder Einzelne. Ihre Ergebnisse sind gut, verteufelt gut. Sie lassen die menschliche Leistung verblassen. Was sind wir daneben noch? Was ist noch echt?

Mich erinnert das an die Geschichte von Faust, der mithilfe von Mephisto alles bekommt, was er will. Mephisto ist immer freundlich zugewandt und hilft, wo er kann. Nur der Preis, den Mephisto verlangt, ist eben kein Geld, sondern Leben und Wrde, Vertrauen und Echtheit.

Auch in vielen Mrchen gibt es unlsbare Aufgaben, die Menschen dennoch lsen mssen. Mglich macht es dann oft eine Figur in Menschengestalt, die erscheint und ihre Hilfe anbietet. Den Menschen gelingt dann alles, nur mssen sie leider dem Helfer ihre Seele versprechen. Denn in Wahrheit ist der freundliche Helfer in den Mrchen der Teufel.

Ich mchte Knstliche Intelligenz nicht einfach verteufeln. Sie hat ihre guten Seiten. Aber ber ihre wahren Kosten mssen wir offen diskutieren. Und mit den wahren Kosten meine ich nicht die paar Euro mehr fr eine noch leistungsfhigere Anwendung. Was kostet KI die Menschen und die Umwelt wirklich? Das mssen wir endlich mitbedenken und mitkalkulieren. Wie kann ich KI verwenden, ohne dass Wrde und Echtheit verloren gehen?

In den alten Mrchen und Geschichten steckt wie in den Religionen auch die Lebenserfahrung und Weisheit der Menschheit. Sie hatten frher natrlich von Knstlicher Intelligenz und deren Technik noch keine Ahnung. Und doch sollten wir unbedingt auf ihre Lehren hren, wenn wir eine menschliche und gute Zukunft gestalten wollen. Ihre Botschaft: Goethes Faust und auch die Mrchen gehen nur fr die gut aus, die ihre eigene Begrenzung erkennen und anerkennen. Und die zugleich die wahre Natur des Helfers durchschauen und sich nicht lnger von ihm alles diktieren lassen. Das mssen wir auch bei KI hinbekommen.

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