Spiel

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15578/spiel

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Freunde haben sich angesagt. Zum Doppelkopf-Spielen. Bislang haben wir immer bei ihnen gespielt. Dieses Mal kommen sie zu uns. Wo nur knnten die Spielkarten sein?

Anfangs suchte ich nur die Spielkarten, am Schluss hatte ich den ganzen Schrank mit Spielen aus- und aufgerumt. Wurde auch mal Zeit. Da hat sich doch einiges angesammelt. Die Klassiker, klar. Mensch rgere dich nicht, Halma, Malefiz, Schach und Co; diverse Spielesammlungen, Quizspiele wie Spiel des Wissens, Karten- und Legespiele wie Uno, Kuhhandel und zum Glck auch die gesuchten Doppelkopfkarten.

Ganz unten hinten steckte das Spiel des Lebens. Es ist nur ein schwacher Abklatsch des Lebens, dieses Spiel. Doch unversehens war ich bei der Frage, wie viel Spa und wie viel Ernst ins Leben gehren. Ist das Leben Spiel oder Ernst und wie gehren sie zusammen? Eigentlich spiele ich gerne, aber wann kommt man schon zum Eigentlichen?

Landlufig hat sich eingebrgert: Kinder und Jugendliche drfen, ja sollen spielen. Aber sptestens mit dem Eintritt in den Beruf beginnt der sogenannte Ernst des Lebens. Diesen Ernst gibt es tatschlich, denn als Mensch mchte man ja in der Regel ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben fhren. Finanziell unabhngig sein. Das arbeiten und tun, was man selbst will und anstrebt.

Und zu diesem Ernst gehrt: Man trifft Entscheidungen, die nicht so leicht rckgngig zu machen oder zu ndern sind. Wenn ich mein Leben mit jemandem teile, mich einer Partnerin oder einem Partner verspreche, lsst sich das nicht ohne Verletzungen und heftige Schmerzen abrumen wie ein Brettspiel. Die Karten werden nicht dauernd neu gemischt.

Doch der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, wusste schon Friedrich Schiller. Und Jesus meinte: Man kann nicht ins Himmelreich kommen ich sage jetzt mal vereinfachend: Man kann nicht wahrhaft leben , wenn man nicht wird wie ein Kind. (Matthus 19,13-15) Wie ein Kind werden. Fr mich heit das: Das Spielen nicht verlernen. Denn nur spielerisch macht das Leben wirklich Freude. Und auf das eigene Leben zumindest gelegentlich draufzuschauen, als wre es ein Spiel, schafft eine frische Distanz und ist wie ein Frhwarnsystem, das rechtzeitige Vernderungen ermglicht.

Jedes Spiel braucht Regeln. Das ist sogar das Wesen des Spiels. Kinder legen immer zuerst die Regeln fest, mindestens die Grundregeln, wenn sie spielen wollen. Ich tt jetzt mal die Mutter sein, und du ttst jetzt mal der Vater sein. So klang es oft aus unserem Kinderzimmer. Und dann wurde sich mit heiligem Ernst in die jeweilige Rolle begeben und losgespielt.

Dabei entstehen Spielregeln selbst spielerisch und mssen im Kinderspiel und im echten Leben immer wieder berprft und eventuell angepasst werden.

Eine Zeitlang gehrte ich einem Spielkreis von Erwachsenen an. Da haben wir auch ein Brettspiel gespielt, das fr Kinder und Jugendliche nicht erlaubt war. Dieses Spiel hatte fast keine Regeln. Man sollte nur mglichst viel Geld verdienen. Alle Pakte und Aktionen dienten nur dem Ziel des eigenen Bankkontos. Man haute die anderen dauernd bers Ohr, hinterging sie und wurde selbst hintergangen.

Das war teilweise richtig schwer auszuhalten. Denn, wenn keine Regeln und Sanktionen gelten, dann schnappt so ein Spiel ins richtige Leben ber. Nicht etwa, dass sich mein Bankkonto im richtigen Leben gefllt htte, nein, die Freundschaften und das Vertrauen litten. Man erlebte den Freund und die guten Bekannten als so fies und benahm sich auch selbst wie ein Schuft, dass es schwer war, hinterher zu sagen: War doch nur ein Spiel.

Da habe ich schmerzhaft spielerisch begriffen, wie wichtig Regeln sind, im Spiel und erst recht im Leben. Und Vertrauen ist noch viel wichtiger. Nicht nur im Spiel.

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