Katyn
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrer Steffen Madloch
aus Berlin
Katyn 13.04.2026
Manchmal dauert es sehr lange, bis etwas gesagt werden kann. Bis der Mut da ist, etwas auszusprechen. Am 13. April 1990 geschah so ein Moment.
Die sowjetische Fhrung unter Michail Gorbatschow gab zu, was viele lngst geahnt haben: Das Massaker von Katyn die Ermordung tausender polnischer Offiziere im Zweiten Weltkrieg war kein deutsches Verbrechen gewesen. Es war eine Entscheidung von Josef Stalin und der damaligen sowjetischen Fhrung.
Jahrzehnte lang war gelogen worden. Akten waren verschwunden, Schuld wurde verschoben. Als die Wahrheit ans Licht kam, wurde den Angehrigen der Opfer klar: Sie haben nicht nur ihre Vter und Brder verloren. Sie haben lange mit einer verflschten Geschichte gelebt.
Die Bibel wei um die Macht der Wahrheit. Jesus sagt im Johannesevangelium: Die Wahrheit wird euch frei machen. (Johannes 8,32) Doch bevor sie frei macht, tut sie oft weh. Wahrheit reit Wunden auf, die man lieber verdeckt gehalten htte. Wahrheit zwingt zur Verantwortung. Wahrheit lsst sich nicht bequem in politische Erzhlungen pressen. Aber sie ist notwendig, damit Heilung beginnen kann.
Das Eingestndnis von Katyn kam spt, fr viele zu spt. Aber es war ein Schritt aus der Dunkelheit. Ein Schritt weg von der Lge, hin zur Ehrlichkeit.
Auch im eigenen Leben kenne ich diese Dynamik. Es scheint leichter zu verschweigen, zu beschnigen, zu verdrngen. In Familien, in Beziehungen, in der Gesellschaft. Manchmal aus Angst, manchmal aus Scham. Doch unausgesprochene Wahrheit vergiftet auf Dauer alles.
Gott ist ein Gott der Wahrheit nicht um zu vernichten, sondern um aufzurichten. In den Psalmen heit es: Ich erkenne meine Missetat. (Psalm 51,5) Die Selbsterkenntnis steht am Anfang. Und dann folgt das Bekenntnis vor anderen: Was ich getan habe, was wir getan haben, war Unrecht. Wahrheit aussprechen ist der Beginn von Vershnung. Sie erffnet zumindest die Chance dafr. Nicht das Vergessen heilt, sondern das ehrliche Erinnern.
Katyn mahnt: Geschichte lsst sich nicht ausradieren. Aber wir knnen lernen, ihr ins Gesicht zu sehen. Wo Wahrheit ausgesprochen wird, beginnt Freiheit. Wo Schuld bekannt wird, kann Vergebung wachsen. Vielleicht ist das eine Aufgabe fr uns jeden neuen Tag: Mut zur Wahrheit auch wenn sie unbequem ist. Denn nur was ans Licht kommt, kann verwandelt werden.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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