Platz am Tor des himmlischen Friedens
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrer Steffen Madloch
aus Berlin
Platz am Tor des himmlischen Friedens 15.04.2026
Am 15. April 1989 starb Hu Yaobang, ein chinesischer Politiker. Er hatte versucht, ein starres System vorsichtig zu ffnen. Kein Revolutionr mit erhobener Faust, eher einer, der Tren einen Spalt breit aufmachen wollte. Zwei Tage nach seinem Tod kamen junge Menschen auf dem Tiananmen-Platz zusammen, dem Platz am Tor des Himmlischen Friedens in Peking. Sie brachten Blumen. Sie trauerten. Und whrend sie trauerten, begannen sie zu hoffen.
Aus dem stillen Gedenken wurde eine Bewegung. Studierende standen auf dem groen Platz, hielten Transparente hoch, sangen Lieder. Nachts saen sie zusammen und redeten ber ihre Zukunft. Sie redeten ber Freiheit, ber Wrde, ber ein Leben ohne Angst. Fr einen Moment glaubten sie: Vielleicht kann sich wirklich etwas ndern.
Die Bibel kennt solche Momente. Mose steht vor dem Pharao und sagt einen einfachen Satz: Lass mein Volk ziehen. (2. Mose 5,1) Die Propheten stellen sich den Mchtigen entgegen und fordern: Schafft den Armen Gerechtigkeit! Und die Jnger Jesu, verngstigte Menschen nach der Kreuzigung, beginnen pltzlich zu reden. Sie schweigen nicht mehr, obwohl es gefhrlich ist.
Hoffnung beginnt selten laut. Sie fngt leise an. Mit einer Sehnsucht im Herzen. Mit dem Gedanken: So, wie es ist, kann es nicht bleiben.
Wir wissen, wie die Geschichte in Peking endete. Panzer rollten im Juni 1989 auf den Platz. Stimmen wurden zum Schweigen gebracht. Gewalt statt Gesprch.
Und doch: Der Wunsch nach Freiheit ist wie ein Funke. Man kann ihn ersticken, aber er glimmt weiter. Vielleicht hat Gott diese Sehnsucht in uns gelegt. Einen Freiheitswillen, der sich nicht vllig unterdrcken lsst. Einen Hunger nach Gerechtigkeit.
Jesus sagt in der Bergpredigt: Selig sind, die hungern und drsten nach Gerechtigkeit. (Matthus 5,6) Das ist kein romantischer Satz. Wer nach Gerechtigkeit hungert, sprt den Mangel. Der und die merkt: Diese Welt ist nicht so, wie sie sein sollte. Jesus sagt: Gerade in diesem Hunger liegt Segen. Weil er Menschen in Bewegung bringt.
Manchmal sieht es so aus, als sei alles vergeblich. Bewegungen scheitern. Hoffnungen werden niedergewalzt. Freiheitsgeschichten enden blutig.
Aber: Hoffnung lsst sich nicht erschieen.
Vermutlich ist das unsere Aufgabe: den Wunsch nach Freiheit wachzuhalten, in unseren Worten, in unseren Gebeten, in unserem Handeln. Fr Menschen berall auf der Welt, die fr Freiheit auf die Straen und Pltze gehen. Und auch fr die Freiheit im eigenen Herzen.
Denn jede groe Vernderung beginnt klein. Mit einem Traum. Mit einer Sehnsucht. Mit einem ersten Schritt.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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