Erinnerung gegen das Vergessen
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrer Steffen Madloch
aus Berlin
Erinnerung gegen das Vergessen 16.04.2026
Man kann dort weit sehen. Auf den Seelower Hhen, etwa 70 Kilometer stlich von Berlin. Die Landschaft ffnet sich. Das Oderbruch liegt still da. Felder, Himmel, Wind. Es wirkt friedlich. Und doch war genau hier am 16. April 1945 einer der blutigsten Orte des Zweiten Weltkrieges.
Die Rote Armee griff die deutschen Stellungen an, die als letztes Bollwerk zur Verteidigung Berlins gedacht waren. Es war der letzte verzweifelte Versuch des NS-Regimes, Berlin zu halten. Die Schlacht um die Seelower Hhen kostete zehntausenden Menschen das Leben. Die Seelower Hhen wurde zum Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland.
Wenn man heute auf den Seelower Hhen steht, ist davon nichts zu hren. Keine Explosionen. Keine Schreie. Nur Wind weht ber die Grabfelder.
Der Krieg blieb nicht dort oben auf den Hgeln. Er zog weiter durch die Stdte. Auch Frstenwalde, meine Heimatstadt, etwa 40 Kilometer westlich, wurde schwer getroffen. Huser brannten. Menschen flohen. Familien wurden auseinandergerissen. Bis heute erzhlt der Frstenwalder Dom St. Marien davon. Ein Bau aus dem 13. Jahrhundert. Mit offenen Narben. Abgebrochene Sulen. Arkaden, die pltzlich enden. Steine, die schweigen und doch erinnern.
Krieg hinterlsst Spuren. In Landschaften. In Stdten. Und vor allem in Menschen.
Der biblische Prophet Jeremia kannte diesen Schmerz. Als Jerusalem zerstrt vor ihm lag, klagte er: Wie liegt die Stadt so wst, die einst voll Volk war. (Klagelieder 1,1) Diese alte Klage klingt wieder, wenn wir heute die Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Welt sehen. Krieg ist niemals heroisch. Er ist immer Leid. Darum bleibt dieser Satz so wichtig: Nie wieder Krieg.
Der Satz ist eine Aufgabe. Denn Frieden fllt nicht einfach vom Himmel. Er wchst. Dort, wo Menschen einander achten. Wo Streit nicht mit Gewalt endet. Wo wir wachsam bleiben gegenber Hass, Hetze und Ausgrenzung.
Jesus sagt in der Bergpredigt: Selig sind die Friedensstifter. (Matthus 5,9) Nicht die Lauten. Nicht die, die l ins Feuer gieen. Sondern die, die Brcken bauen. Erinnerung hilft dabei. Wer wei, wohin Hass fhren kann, hrt frher hin. Die zerstrten Stdte von 1945 flstern bis heute. Die Ruinen von heute schreien es heraus:
Krieg soll um Gottes willen nicht sein.
Ich hoffe auf den Mut, Frieden zu leben. Im Groen. Und im Kleinen. In unseren Worten. In unserem Umgang miteinander. Und in einer klaren Haltung gegen alles, was Menschen entwrdigt.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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