Taizé

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15629/taize

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrer Steffen Madloch

aus Berlin

Taiz 17.04.2026

Am 17. April 1949, vor ber 75 Jahren, grndete Frre Roger in einem kleinen Dorf in Burgund eine Gemeinschaft. Taiz.

Es hat klein und unscheinbar begonnen: ein paar Ordensbrder, ein schlichtes Haus, viel Gebet. Taiz wurde zu einem Ort, der bis heute junge Menschen aus aller Welt anzieht. Nicht wegen groer Programme. Nicht wegen spektakulrer Predigten. Sondern wegen der Einfachheit.

In Taiz wird gesungen. Kurze Gesnge, die sich wiederholen. Worte aus der Bibel, die sich ins Herz legen wie ein ruhiger Atem. Es wird geschwiegen. Lange Minuten, in denen nichts gesagt wird und doch so viel geschieht. Und es wird gebetet. Gemeinsam.

In einer lauten Welt ist Taiz ein Raum zum Atmen.

Junge Leute, die dort waren, haben mir erzhlt: Am Anfang war mir die Stille unheimlich. Und dann habe ich gemerkt: Sie tut mir gut. Vielleicht, weil man dort wieder hren lernt.

Die Stille als Ort der Gottesbegegnung. So erlebt es der Prophet Elia. Gott selbst geht an ihm vorbei. Erst kommt ein Sturm, so stark, dass er Berge zerreit. Dann kommt ein Erdbeben und ein Feuer, gewaltig und erschreckend.

Aber Gott ist nicht im Sturm. Nicht im Erdbeben. Nicht im Feuer. Sondern im stillen, sanften Suseln. In einem Hauch von Stille. In einem schwebenden Schweigen.

Taiz lebt genau davon: Gott begegnet oft nicht in groen Ereignissen, sondern in der Ruhe. Im einfachen Dasein. Im offenen Herzen.

Und Taiz lebt von Verstndigung unter Menschen verfeindeter Nationen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Ordensbrder einen Ort schaffen, an dem Franzosen und Deutsche zusammenkommen. Ehemalige Feinde nun gemeinsam im Gebet. Spter kamen Menschen aus der ganzen Welt dazu. Ein Gegenentwurf zu Hass und Trennung. Ein Ort, an dem Einheit nicht erzwungen wird, sondern wchst.

Diese Einheit ist kein Einheitsbrei. Menschen mit verschiedenen Traditionen, Sprachen und Glaubenswegen kommen nach Taiz. Und doch singen alle gemeinsam. Beten gemeinsam. Schweigen gemeinsam. Ein Bild und ein Erlebnis dafr, wie Religion und Glaube sein knnen: nicht laut um Aufmerksamkeit ringend. Sondern offen. Hrend. Verbindend.

Taiz erinnert mich daran: Gott begegnet uns oft dort, wo wir weniger reden und mehr hren. Wo wir nicht alles erklren wollen, sondern uns berhren lassen. Da reicht ein einfaches Lied. Ein Moment der Stille. Ein offenes Herz. Und dann beginnt, ganz leise, das, was unsere laute Welt so dringend braucht: Frieden, Verbundenheit und Vertrauen in Gottes Gegenwart.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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