Vaterunser
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15588/vater-unser
Transkript anzeigen
Vater unser im Himmel.
Hier bin ich, mein Gott. Mein Vater, meine Mutter, mein Fels in der Brandung.
Hier bin ich. Nicht nur ich. Wir sind viele und liegen dir heute in den Ohren und beten so, in Deutsch und Polnisch, in Persisch und Englisch, in Kisuaheli und Chinesisch, in allen mglichen Sprachen, Farben und Vlkern: Vater unser im Himmel. Wir alle deine Kinder, gleich geliebt. Ich bin eine davon, aber nicht allein mit meiner Hoffnung.
Geheiligt werde dein Name.
Ach Gott, kaum dass der Tag begonnen hat, habe ich schon so viele groe Namen gehrt. Ich habe von denen gehrt, in deren Namen Kriegsschiffe unterwegs sind, Drohnen fliegen, Truppen marschieren, Todesurteile ergehen. Ich denke an deinen Namen. Du hast einmal gesagt, du heit: Ich bin, der ich bin. Ich werde sein, der ich sein werde. So hast du dich vorgestellt und dazu gesagt: Ich habe euer Seufzen gehrt, ich will euch aus dem Elend fhren. (2. Mose 3) Daran erinnere ich mich und dich in der Frhe des Tages.
Dein Reich komme.
Dein Reich! Nicht die Reiche, an dem die Trumps und Putins bauen. Nicht die schne neue Welt auf dem Mars. Nicht das ertrumte Reich der Superreichen. Nicht der Gottesstaat der Wahnwitzigen. Gott, bewahre! Wir beten um dein Reich, das nicht von dieser Welt ist. Es ist schon unter uns. Lass es wachsen.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Dein Wille! Nicht der Wille der Lautesten. Nicht der Wille der Gierigen. Dein Wille! Auch nicht mein Wille, fllt mir dabei ein. Mein Wille ist nicht dein Wille, so gut ichs auch meine. Das ist manchmal ganz schn hart einzusehen. Bring mir von neuem bei an diesem Tag, dass es nicht allein nach mir geht.
Unser tgliches Brot gib uns heute.
Und dazu eine liebevolle Geste, ein wahres Wort, einen ermunternden Blick, eine gute Nachricht. Die brauche ich auch alle zum Leben. Gib! Heute! Morgen will ich von neuem darum bitten. Aber ich frage dich heute und morgen auch: Warum verhungern so viele deiner Kinder, Gott? Das ist nicht auszuhalten. Mach der himmelschreienden Ungerechtigkeit ein Ende. Hilf mir zu teilen.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Nicht leicht, jedes Mal daran erinnert zu werden, wenn ich so zu dir bete: an Schuld. Zuerst an meine eigene, auch an die nie wieder gutzumachende meines eigenen Volkes. Daran, wie viel ich verkehrt gemacht habe und mache. Und dann die Schuld, die ich erlassen soll. Manches kann ich einfach nicht vergeben, das gestehe ich dir. Hilf mir, ehrlich zu sein. Hilf bei dem, was ich oft nicht kann: Verantwortung bernehmen. Um Vergebung bitten. Und selbst vergeben.
Und fhre uns nicht in Versuchung, sondern erlse uns von dem Bsen.
Ich schlucke, aber es stimmt: Bse sind nicht immer nur die anderen. berhaupt: Wann ist das Bse erkennbar bse? Manchmal schon, dann hilf mir, widerstndig zu sein. Ach Gott, das Gute ist so tckisch. Es ist verlockend: Ich glaube. Wo werde ich rechthaberisch? Ich hoffe. Wo mache ich mir was vor? Ich liebe. Wo will ich nur besitzen? Wo ist die Grenze? Wir wollen verteidigen. Wo fngt der Wunsch zu tten an? Wir wollen Menschen heilen. Wo fngt unheilvolles Manipulieren an? Wir wollen die Welt besser machen. Wo fngt die Hybris an?
Rette uns vor uns selbst und vor den schrecklichen Mglichkeiten unserer Freiheit, gndiger Gott.
Denn dein ist das Reich
Und die Kraft
Und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.
Amen.
Neuer Kommentar