Reise ohne Rückkehr
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15840/morgenandacht
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00:00:01: Ich schlage die Bibel an einer willkürlichen Stelle auf und finde, der Herr ist meine starke Burg.
00:00:07: Ich sitze mitten in einem überfüllten Güterwagen auf meinem Rucksack.
00:00:11: Vater, Mutter und Misha sitzen einige Waggons entfernt.
00:00:15: Die Abfahrt kam dann doch recht unerwartet – ein plötzlicher Befehl für uns aus Den Haag!
00:00:21: Singend haben wir dieses Lager verlassen.
00:00:24: Vater und Mutter sind tapfer und ruhig.
00:00:27: Wir werden drei Tage auf der Reise
00:00:28: sein.".
00:00:29: Auf Wiedersehen von uns Viren Etty.
00:00:32: Die Reise, von der hier die Rede ist, ist keine Urlaubsreise und auch keine Dienstreise – es ist eine Deportation von Jüdinnen und Juden aus dem Lager Westerburg nach Auschwitz-Birkenau in das Vernichtungslager.
00:00:47: Und die Postkarte mit den wenigen Sätzen, die ich eben gelesen habe wurde von Etty Hillesem aus dem Zug geworfen.
00:00:54: Bauern haben sie gefunden!
00:00:55: Ethis Eltern starben wahrscheinlich schon auf dem Transport oder sie wurden gleich nach der Ankunft in Auschwitz ermordet.
00:01:02: Ethi selbst am dreißigsten November, nineteenhundertdreiundvierzig.
00:01:06: Sie wurde keine vierzig Jahre alt.
00:01:09: Wer diese Frau wirklich war, wurde erst Jahrzehnte später durch ihre Tagebücher bekannt.
00:01:15: Sie schrieb diese Tagebücher neuneinfache Hefte in den Jahren nineteenhundertvierzig zweiundvierzzig.
00:01:22: Da waren die Niederlande schon fast ein Jahr von der deutschen Wehrmacht überfallen und besetzt.
00:01:28: Im Februar einundvierzig hatte Etti den deutschen Immigranten Julius Spir kennengelernt, einen Psychoanalytiker- und Körpertherapeuten.
00:01:36: Bei ihm machte sie eine Psychotherapie.
00:01:39: Er wurde zu ihrem Freund und Geliebten – und gab ihr den Rat, Tagebuch zu schreiben!
00:01:45: Als Eti Hilles im twohundvierzig den Aufruf in das Lager Westerbork bekam, versuchte sie ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.
00:01:53: Sie übernahm eine Aufgabe in der sozialen Arbeit mit den sogenannten Aussiedlern dort.
00:01:59: Sie widmete sich den Alten und Kranken, den Müttern und ihren Kindern.
00:02:03: weil sie beim Judenrat angestellt war konnte sie noch eine Weile zwischen Amsterdam und Westerburg pendeln.
00:02:10: Sie nahm ein Speersbeerdigungteil und lag dann einige Monate krank in Amsterdam.
00:02:16: In dieser Zeit hätte sie untertauchen können, viele Freundinnen kannten sie aus ihrer Heimat im Middelburg oder aus dem Studium.
00:02:24: Sie war eine säkulare Jüdin gewesen, keinesfalls auffällig – eine Studentin des Lavistik- umpsychologie die viele mochten.
00:02:33: Trotzdem gingen sie im Juni XLIV endgültig ins Lager, wohin jetzt auch ihre Eltern und der Bruder verschleppt
00:02:39: wurden.".
00:02:40: Am Ende des Sommers wurde sie mit dem fünfundsebzigsten Massentransport nach Auschwitz deportiert.
00:02:48: Eti Hilles im Trat eine Reise an, von der sie wie die Allermeisten nie zurückkehren würde.
00:02:54: Warum war sie nicht untergetaucht?
00:02:56: Sie hatte genau beobachtet was geschah – wie sich die Judenverfolgung entwickelte, wie die Transporte abliefen!
00:03:02: Sie hatte offene Augen und Ohren.
00:03:04: Aber was genauso wichtig war, sie wurde immer hellhöriger für ihre inneren
00:03:09: Erfahrungen."
00:03:10: für ihre spirituelle Entwicklung.
00:03:13: So konnte sie mitten in dieser bestürzenden Zeit die Depression hinter sich lassen, unter der sie so lange gelitten hatte – Sie konnte Klarheit in ihr Leben bringen!
00:03:24: Sie las Röcke Dostoyevsky und die Bibel, sie entdeckte eine tiefere Dimension des Lebens.
00:03:31: In ihren Tage Büchern spricht sie von einem Wachstumsprozess.
00:03:35: In ihren Seelenlandschaften fand sie große, weite Flächen und das Allertiefste, dass sie Gott lande.
00:03:42: So kam sie zum Beten – im Gebet war sie geborgen!
00:03:47: So sehe ich Sie auf dem Weg nach Auschwitz.
00:03:49: Sie war reisefertig.
00:03:51: Sie hatte sich vorbereitet und liebte die
00:03:54: Menschen.".
00:03:55: Eti Hillesum war überzeugt, Gott braucht Menschen um zu lieben.
00:03:59: Zu helfen!
00:04:00: Sie blieb Gott treu und war bereit anzunehmen was sie nicht verstand.
00:04:05: So konnte sie freiwillig mitgehen auf diese furchtbare Reise.
00:04:10: Die Frau die ruhig im überfüllten Güterwagen saß fühlte sich geschützt wie in einer Klosterzelle.
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