Das Chaos umarmen

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15848/das-chaos-umarmen

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00:00:00: Ein Abend, wie ich ihn mag seit meiner Studentenzeit.

00:00:03: Die Rotweinflasche ist halb leer Auf dem Teller liegen nur noch ein paar Krümel von Käse und Brot.

00:00:09: Ein guter Freund und ich sitzen am Küchentisch Wie früher in unserem gemeinsamen Studium.

00:00:15: Wir ticken verschieden Und streiten über theologische Fragen Über Kirche und Gesellschaft.

00:00:21: Irgendwann zu später Stunde verändert sich das Gespräch Weniger diskutieren Recht haben überzeugen wollen Es wird persönlich.

00:00:32: Wir reden über unsere Partnerschaften, unsere Kinder – die Frage ob man im eigenen Leben jemals ankommt?

00:00:39: Über Fehler der Vergangenheit, die lange nachhängen!

00:00:42: Über das Gefühl manchmal an sich selbst vorbeizuleben.

00:00:46: Am Ende umarmen wir uns.

00:00:49: Ich mag diese Abende.

00:00:51: Jedes Mal nehme ich einen Satz mit, der etwas neu sortiert in meinem Leben und oft auch in meinem Glauben.

00:00:59: Von einem Nachtgespräch erzählt die Bibel.

00:01:02: Da kommt spät am Abend ein Mann namens Nicodemus zu Jesus, die beiden unterhalten sich bei Dunkelheit und der Vier-Augen weit weg vom Tageslicht und den Rollen, die man tagsüber spielt.

00:01:15: Nicodemos ist religiös und gebildet – einer, der schon viel geforscht hat und trotzdem weiter sucht.

00:01:22: Er und Jesus reden über Gott, über die Heilige Schrift, über Angst und Hoffnung.

00:01:28: Mitten in diesem nächtlichen Gespräch sagt Jesus einen dieser Sätze, die sich festsetzen.

00:01:34: So sehr hat Gott die Welt geliebt!

00:01:38: Was für ein riesengroßer Satz!

00:01:41: Und gleichzeitig trifft er etwas ganz Persönliches.

00:01:45: Denn wie schwer fällt genau das?

00:01:48: Die Welt lieben – Das eigene Leben lieben.

00:01:51: Ich merke es bei mir selbst Der Blick auf das Misslungene ist schnell auf das, was ich hätte besser machen können.

00:01:59: Der innere Kritiker kennt jede Unsicherheit!

00:02:03: Er kommentiert zuverlässig alles – nicht erfolgreich genug, nicht klar genug und nicht diszipliniert genug.

00:02:10: Und irgendwann schaue ich mich selbst durch die Augen dieses Kritikers an Das Schwierige fällt mir schneller auf als das Gute der Bruch schneller als das Gelungene.

00:02:21: Jesus weiß um diese Eigenart.

00:02:23: er sagt so Nikodemus Die Menschen lieben das Dunkel mehr als das Licht.

00:02:29: Das eigene Dunkel, dass Dunkel der Anderen und das Dunkel der Welt!

00:02:34: Die Welt ist schlecht die Welt ist finster.

00:02:36: Da fallen mir tausend Gründe und Beispiele dafür ein – die Welt is nicht in Ordnung Und mein eigenes Leben scheint auch oft nicht in ordnung.

00:02:45: Genau dort setzt dieser Satz an Gott liebt die Welt Nicht eine ideale Welt, nicht nur einen Teil von ihr sondern die Welt so wie sie ist, hier und heute mit all ihrem Chaos.

00:03:00: Und eben auch die kleine große Welt meines eigenen Lebens – mit allem was offen geblieben ist!

00:03:06: Mit Fehlern, Brüchen, Widersprüchen….

00:03:09: …und mit all dem Unfertigen.

00:03:12: Das Chaos umarmen So lautet ein Buchtitel der Theologin Sabrina Wilkenshoof «Das Chaos um armen».

00:03:22: Das ist eine Formulierung, die mich nicht loslässt seit ich sie gelesen habe.

00:03:27: Gott umarmt Die Welt und Ihr Chaos Und vielleicht kann Ich das lernen – Das Chaos meines eigenen Lebens umarmen.

00:03:37: Nicht mit meinem Leben aussöhnen Nicht ständig gegen mich selbst kämpfen Nicht dauernd das eigene Leben abwerten Sondern anschauen was isst Das helle und das dunkle und die Narben.

00:03:52: Versöhnung mit dem eigenen Leben, das fühlt sich an wie eine Umarmung.

00:03:58: Einen Freund umarmen den man lange kennt, mit dem er viel gestritten hat, der einen kennt wie kaum jemand sonst, der einfach umarmt werden will.

00:04:08: Diese Momente des Versönsseins mit dem eigenem Leben sind oft ganz klein ein gutes Gespräch in der Nacht Ein stiller Morgen Ein Spaziergang Ein Blick bei dem man plötzlich spürt, das Leben ist gerade gut genauso und die Welt ist geliebt.

00:04:29: So sehr!

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