Für morgen
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15756/fuer-morgen
Transkript anzeigen
00:00:00: Eine Frau schwebt über dem Boden in der Eingangshalle des IG-Farben Universitätsgebäudes in Frankfurt am Main.
00:00:08: Das Gesicht nach vorne gerichtet, die Augen geschlossen, die Arme über den Brust verschränkt und die Beine weit nach hinten gestreckt.
00:00:16: Sie strahlt eine beinahe übernatürliche Ruhe aus.
00:00:20: Etwa zwei Meter hoch schweb sie waagerecht über dem Boden in der Luft gehalten von orangenen Bändern.
00:00:27: Studierende bleiben stehen und schauen, fragen sich was es mit dieser Schwebenden auf sich hat.
00:00:34: Die schwebende Frau ist die Berliner Künstlerin Finja Sander.
00:00:39: Für morgen heißt ihre Performance, mit der sie die Figur der Schwebende von Ernst Balach als performere Nachabend beziehungsweise neu interpretiert.
00:00:50: Für etwa eine Stunde nimmt sie die Haltung der Bronze Skulptur von Balach ein geschlossene Augen vor der Brust verschränkte Arme, der kompakte Körper pfeilartig nach vorne gerichtet.
00:01:02: So ist der Schwebende im Dom zu Güstroh oder in der Kölner Antonita Citykirche zu sehen.
00:01:10: Ernst Balach hat seinen Schwäbenden, nineteenhundertsiebenundzwanzig ursprünglich als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges für den Dom in Güstru geschaffen.
00:01:20: Neunzehnhundertsevenunddreißig wurde er durch die Nationalsozialisten als entartete Kunst aus dem Kirchenraum entfernt und nineteenhundertundvierzig für die Kriegswirtschaft eingeschmolzen.
00:01:33: Nach Güsse kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Antonieter Kirche in Köln, und später auch wieder in den Güstrohadomen.
00:01:40: Seither fasziniert die Skulptur durch ihre stille meditative Haltung – ein schwebender Engel ohne Flügel!
00:01:51: Wer ist dieser Engel?
00:01:53: Ich denke an Walter Benjamin's Engel der Geschichte.
00:01:58: Der Philosoph Walter Benjamin hat ihn mit Blick auf eine Zeichnung des Künstlers Paul Clee beschrieben.
00:02:04: Ein Engel, der mit weit geöffneten Augen auf die Trümmer des zwanzigsten Jahrhunderts blickt und versucht, die Bruchstücke wieder zusammenzusetzen – es gelingt ihm nicht, weil ihm das Wind des Fortschritts ins Gesicht weht und sich die Bruchsstücke eines Jahrhunders nicht wieder zusammenfügen lassen.
00:02:23: Balachschwebender hält die Augen geschlossen!
00:02:27: Es ist Als ob er aus der Innenschau Kraft sammelt, als ob sich über den Trümmern des Krieges ein neues Bild formen soll.
00:02:36: Ein neuer Himmel – eine neue Erde!
00:02:40: Die Berliner Performance-Künstlerin Finja Sander tut es ihm gleich und lädt uns ein, uns selbst in diese Haltung zu bringen.
00:02:50: für den Frieden heute für morgen.
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