Verschwundene Orte
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15925/verschwundene-orte
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00:00:00: Als ich vor vielen Jahren mit einer Gemeindegruppe soziale Projekte im Westjordanland besuchte, zeigte uns ein Palästinenser den Schlüssel zu seinem Haus.
00:00:10: Nur dieser Schlüssel war ihm geblieben als die Familie von ihrem Anwesen in der Nähe von Heifer vertrieben wurde.
00:00:17: Er war damals noch ein Kind doch die Wunde konnte nicht teilen denn das neue Zuhause ist ihn nicht zur Heimat geworden.
00:00:26: Rufen war unser israelischer Reiseleiter.
00:00:30: Er erzählte daraufhin von seinem Geburtsort an der Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine, er musste fliehen um nicht dem Holocaust zum Opfer zu fallen.
00:00:42: Heimweh hatte er nicht – und trotzdem fuhr Rufen immer wieder dorthin!
00:00:47: Er unterstützte Roma-Familien die jetzt in seinem Dorf lebten und deren Armut ihn an die eigene Kindheit erinnerte.
00:00:57: Und dann begannen auch wir zu erzählen.
00:01:00: Die Geschichte mit dem Schlüssel kannte eine Teilnehmerin aus ihrer eigenen Familie.
00:01:06: Den hat der Vater eingesteckt, als die Familie den Bauernhof in Schlesien nach dem verlorenen Krieg von einem Tag auf den anderen räumen musste.
00:01:17: Abschließen durften sie das Haus nicht – es sollte offen sein für die neuen Bewohner!
00:01:24: So wie bei Rufen gibt es auch in ihrer Familie keine Sehnsucht nach Rückkehr.
00:01:30: Der Schmerz über die Vertreibung verbindet sich mit der Scham, über die Gräuel, die die Deutschen den Polen angetan haben.
00:01:39: Mit dem Vater besuchte sie dessen Altes zu Hause.
00:01:42: Es gab eine herzliche Begegnung mit den neuen Eigentümern und auf beiden Seiten Dankbarkeit dass alle sich in ihrer jeweiligen neuen Heimat eingerichtet haben und man sich ohne Hass und Neid begegnen konnte.
00:01:59: Wie tief die Wunden sind, wenn einem die Heimat genommen wird und wie es gelingen kann diese Wunden zu heilen ist mir noch einmal neu begegnet als ich auf das Archiv der verschwundenen Orte stieß!
00:02:15: Zurzeit findet man es nur als Eintrag im Internet, demnächst aber als Dauerausstellung im Museum für Textil und Industriegeschichte Lausitz.
00:02:26: Das Archiv dokumentiert die Ortsabbrüche-und Umsiedlungen – als eine der folgenreichsten Begleiterscheinungen des Braunkohlebergbaus.
00:02:46: Heimaten gingen verloren, Landschaften Grabstätten Kirchenhäuser und Höfe verschwanden einfach.
00:02:53: Menschen wurden ihrer Geschichte beraubt.
00:02:57: Man erfährt wie schmerzhaft es für die Vertriebenen war.
00:03:01: In der DDR wurde diese Trauer tabuisiert.
00:03:05: Der Verlust an Identität durfte keine Rolle spielen.
00:03:09: Das war der Preis für den gesellschaftlichen Fortschritt den die Betroffenen ohne Moren zu erbringen hatten.
00:03:17: Während der hebräischen Bibel im Alten Testament liest, wird immer wieder auf Passagen stoßen in denen es darum geht das Stemme und Völker um ein Heimatrecht auf dieser Erde streiten.
00:03:29: Gott gilt dabei als Garant für Gewinn oder Verlust – Gott gibt und Gott nimmt!
00:03:36: Gott ist auf der Seite der Sieger denn wer sollte stärker sein als Er?
00:03:41: Mich befremden diese Passagen….
00:03:43: Ich erkläre Sie mir vor dem historischen Hintergrund, bei dem Nomaden sesshaft werden und um die begrenzten Lebensräume streiten.
00:03:54: Es gibt auch andere Aussagen in der Bibel – da heißt es «behandelt Fremdlinge wie Euresgleichen», denn auch Ihr seid Fremde gewesen!
00:04:05: Egal ob Menschen ihrer Heimat durch Krieg, Industrieansiedlung oder durch den Klimawandel beraubt Sie behalten ein Heimatrecht auf diesem Planeten.
00:04:17: Und wenn Ihnen dieser Raum gewährt wird, so besteht eine Chance auf Heilung – selbst wenn der Schmerz über den erlittenen Verlust bestehen bleibt!
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