Gut oder schlecht?
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Diakon Tobias Petzoldt
aus Berlin
Gut oder schlecht? 02.10.2026
Haben Sie sich heute schon in aller Herrgottsfrhe ber etwas gergert?
Den verpassten Bus, die Absage einer Freundin oder das Wetter?
Ich bin schnell dabei, Erlebnisse sofort zu bewerten. Ich stemple ab: Das ist gut und das ist schlecht. Ich bemhe mich zwar, die Dinge erst einmal so zu nehmen, wie sie sind. Aber oft ist die Prgung grer als mein Wille. Dabei will ich weder schnell noch viel noch berhaupt werten, bewerten und schon gar nicht abwerten. Denn unsere menschlichen Wertmastbe sind doch sehr begrenzt. Und ich kann auch nicht voraussehen, was zu was fhrt.
Es gibt dazu eine alte Geschichte von einem Bauern. Eines Tages lief ihm sein einziges Pferd davon. Die Nachbarn kamen und klagten: Was fr ein Unglck! Der Bauer sagte nur: Gut oder schlecht? Wer wei das schon? Am nchsten Tag kehrte das Pferd zurck und brachte drei Wildpferde mit. Die Nachbarn jubelten: Was fr ein Segen! Der Bauer sagte: Gut oder schlecht? Wer wei das schon? Als sein Sohn versuchte, eines der Wildpferde zu reiten, strzte er und brach sich ein Bein. Wie schrecklich!, riefen die Nachbarn. Doch der Bauer blieb ruhig: Gut oder schlecht? Wer wei das schon? Kurz darauf brach ein Krieg aus. Alle jungen Mnner wurden eingezogen nur der Sohn des Bauern nicht, wegen seines gebrochenen Beins.
Diese Geschichte verstehe ich nicht als Aufforderung zur Gleichgltigkeit. Sie ist eine Einladung zur Gelassenheit. Ich sehe im Moment des Geschehens meist nur einen winzigen Ausschnitt des Bildes. Ich sehe das Puzzleteil, aber nicht das Panorama.
Im christlichen Glauben nennen wir das oft Gottes Wege. Es ist das Vertrauen darauf, dass auch aus den Umwegen, den Brchen und den vermeintlichen Katastrophen etwas Neues und Gutes wachsen kann.
Wenn ich aufhre, alles sofort in Schubladen zu sortieren, kann ich eine neue Freiheit erleben. Frei von Panik, wenn etwas schiefluft, und frei von der Gier, dass immer alles perfekt sein muss. Manchmal entpuppt sich der Umweg am Ende als die schnere Strecke.
Darum werde ich heute, wenn mir vermeintlich Schlechtes widerfhrt, kurz innehalten. Ich atme kurz durch und erinnere mich an den Satz des Bauern: Ob gut oder schlecht, wer wei das schon?
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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