Einheit
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Diakon Tobias Petzoldt
aus Berlin
Einheit 03.10.2026
3. Oktober. Tag der Deutschen Einheit. Es ist ein Feiertag, der an den Mauerfall und das Zusammenwachsen unseres Landes erinnern will.
Ich wei noch, wie ich den Tag der Wiedervereinigung 1990 erlebt habe. Damals war es ein frhlicher Festtag, mit Partys, Bllern und einem groen Feuerwerk um Mitternacht. Ich habe damals mit meinen Eltern in Karl-Marx-Stadt gewohnt. Dort wachten die Leute nahezu von einem Tag auf den anderen in einer anderen Strae, in einer anderen Stadt, in einem anderen Land auf. Ohne auch nur einmal einen Koffer oder eine Umzugskiste gepackt zu haben. Aus Karl-Marx-Stadt wurde wieder Chemnitz, aus der DDR das wiedervereinigte Deutschland. Die meisten waren glcklich darber.
Heute ist die Euphorie von damals verflogen. Der schnelle Identittseinschnitt schlgt vielerorts Bumerang-artig zurck. Manche, in Ost und West, wollen am liebsten die Mauer wieder aufbauen, um in ihrer jeweiligen Welt nicht gestrt zu werden. So sehe ich beim Blick auf Deutschland heute oft ein gespaltenes Land. Der Riss verluft dabei aber nicht nur zwischen Ost und West. Es gibt ihn auch zwischen Sd und Nord, in Familien, zwischen Nachbarn und in christlichen Gemeinden. Unser Land ist ein Land voller Vielfalt: Unterschiedliche Biografien, ostdeutsche und westdeutsche Prgungen, moderne Metropolen und lndliche Regionen sowie individuelle kulturelle Verortungen lassen uns mitunter einander anstaunen. Doch bei allen Diskussionen ber das, was uns trennt, lohnt sich ein Blick auf das, was uns trgt.
In der Bibel steht in einem alten Gebet, dem Psalm 133, der Satz: Wie gut und wie schn ist es, wenn Brder und Schwestern eintrchtig zusammenleben! Eintracht und Einheit sind keine Zustnde, die man einmal feiert und dann vergisst. Sie sind eine tgliche Aufgabe und fangen im Kleinen an, so naiv es auch klingen mag:
Wenn wir einander zuhren, statt bereinander zu reden.
Wenn wir andere Meinungen aushalten, ohne den Respekt zu verlieren.
Wenn wir in unseren Netzwerken akzeptieren, dass nicht alle gleich denken.
Und wenn wir nicht erhaben ber die urteilen, die so anders sind als wir.
Die Wiedervereinigung 1990 hat gezeigt: Dinge, die unberwindbar schienen, knnen sich verndern. Mauern knnen fallen in der Politik, aber auch in unseren Kpfen und Herzen.
Ich bin heute am 3. Oktober dankbar fr den Frieden und die Freiheit, in denen wir leben drfen. Und der 3. Oktober ermutigt mich, Brcken zu bauen, wo Grben sind.
Damit in aller Vielfalt auch immer mehr eine Einheit sprbar sein kann.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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