Het Wilhelmus

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15877/het-wilhelmus

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Es war ein Fuballspiel bei der WM 2014 in Brasilien, Gruppenphase, Niederlande gegen Spanien, das Spiel endete 5:1 fr die Niederlnder. Mein Sohn, damals 13 und FuballFan, hatte CDs mit allen Nationalhymnen. Als die niederlndische Hymne erklang, fiel uns der Text auf. Merkwrdig da kommt was vor von deutschem Blut und vom spanischen Knig. Wie kommt das in die niederlndische Hymne? Wir wollten das verstehen.

Die Hymne ist ursprnglich ein Glaubenslied aus dem 16. Jahrhundert, fnfzehn Strophen. Ein Lied vom Vertrauen auf Gott, das seit rund 450 Jahren die Niederlande begleitet. Het Wilhelmus heit es, nach Wilhelm von Oranien. Darauf spielt die Zeile an: Deutsch meinte damals niederlndisch oder niederdeutsch im weiteren Sinn und Wilhelm stammte aus dem heute hessischen Dillenburg. Und der spanische Knig war derjenige, dem Wilhelm gedient hatte und gegen den er spter gekmpft hat.

Mir wurde klar: Das ist eine Stimme aus einer Zeit, in der es um Freiheit ging. Und um Glauben, der trgt, wenn alles andere wankt.

Wilhelm von Oranien war zum Statthalter eingesetzt. Von den Spaniern, die die Niederlande besetzt hatten. Wilhelm wurde Protestant eine innere Wandlung ber Jahre. Als der spanische Knig anfing, die Protestanten zu vernichten, stand Wilhelm zwischen zwei Welten. Er whlte seinen Glauben. Bezahlt hat er mit seinem Leben. Wilhelm von Oranien wurde 1584 in Delft erschossen. Der Mrder war angetrieben durch die hohe Prmie, die Spanien auf Wilhelm ausgesetzt hatte.

Mich fesselt die sechste Strophe der Hymne, die heute oft zusammen mit der ersten gesungen wird. Darin spricht Wilhelm selbst. In der Ich-Form. Nicht als Held, sondern als Mensch, der Angst hat. Einige Verse daraus: Mein Schild und mein Vertrauen, bist du, o Gott, mein Herr - Verlass mich nimmermehr, dass ich rechtschaffen bleibe - Die Tyrannei vertreibe, die mir mein Herz verwundt."

Mich berhrt das. Ein Mensch, der verfolgt wird und der trotzdem vertraut. Oder gerade deshalb. Nicht darauf, dass alles gut wird. Sondern auf einen Rckhalt, der grer ist als die Angst. Seine Bitte bleibt bescheiden: Ich muss nicht gewinnen aber ich muss rechtschaffen, aufrecht bleiben.

Ich war in Delft, wo Wilhelm ermordet wurde und begraben liegt. In der Kirche hohe Fenster hell und offen. Licht fllt auf sein weies Grabmal. Ich stand dort und verstand: Das war ein Mensch, der gekmpft und gelitten hat. Der aber nicht aufgehrt hat zu vertrauen.

Und das Bild aus der Strophe hallt nach: Die Tyrannei hat mich verwundet, ins Herz getroffen." Das ist keine poetische bertreibung. Das ist ein Mann, der gewusst hat, was es kostet. Wer Tyrannen widerspricht, riskiert sein Leben. Und trotzdem handelt er. Sein Gebet bersetze ich so: Lass mich nicht gezwungen sein zu lgen. Lass mich nicht verlieren, wer ich bin.

Wilhelm wurde ermordet aber die Sache, fr die er stand, lebte weiter. Sie wuchs. Nicht sofort. Nicht leicht. Aber sie wuchs. Ein Teil der Niederlande wurde frei.

Dieses Grabmal, dieses Licht, es lsst mich nicht los. Aufrichtigkeit entsteht nicht erst im Ausnahmefall. Sie wchst in den alltglichen Momenten.

Wilhelms Bitte ist meine geworden: Gib mir den Mut, bei der Wahrheit zu bleiben. Schon jetzt, in den kleinen Dingen damit ich, wenn es wirklich darauf ankommt, wenn Schweigen bequem wre oder Lgen sicher, noch wei, wer ich bin.

Diesen Satz singen die Niederlnder bis heute: Mein Schild und mein Vertrauen, bist du, Gott." Ein alter Satz aus einer anderen Zeit. Und doch wenn ich ihn hre, wenn ich ihn selbst spreche, fhle ich, wie er trgt.

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