Was du baust, nährt andere
Shownotes
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1926. Ein zerlumpter alter Mann liegt auf einer Strae in Barcelona. Eine Straenbahn hat ihn zu Boden gestoen. Kein Taxifahrer will ihn mitnehmen der Mann sieht zu armselig aus. Man bringt ihn ins Hospital der Armen. Dort stirbt er wenige Tage spter. Und erst dort erkennt man, wer er war: Antoni Gaud. Der Architekt der Sagrada Famlia, der hchsten Kirche der Welti.
Heute Abend widmet der Deutschlandfunk diesem Mann eine Lange Nacht seinem Leben, seinen Kirchen, seinen Husern, seinen Widersprchen.
Was hat ihn dahin gebracht, dass niemand ihn erkannte? Gaud lebte in seinen letzten Jahren rmlicher als viele seiner Arbeiter, die fr ihn bauten. Er fastete streng, betete viel, arbeitete unablssig. An der Kirche, die er nicht fertigstellen wrde. Das wusste er. Er hatte es akzeptiert.
Diese Gelassenheit hatte er sich erst erkmpfen mssen. Davor lag eine Krise, die ihn fast zerbrochen htte. Eine Verlobung scheiterte. Rckschlge huften sich. Er war am Ende seiner Kraft und hrte auf zu essen. Dann kam sein enger geistlicher Freund zu ihmii und machte ihm klar: Sich selbst zu zerstren ist nicht Gottes Wille. Was er ihm sagte, lsst sich so bersetzen: Dein Werk soll Nahrung sein. Der Sinn, der trgt.
Kein frommer Trost. Kein Mitleid. Ein Auftrag. Und ein tiefes Zutrauen: Was du baust, nhrt andere Menschen. Also steh auf, iss wieder und baue.
Das Vertrauen, dass das stimmt, hatte frhe Wurzeln. Gaud war als Kind schwchlich, rheumakrank - und sa stundenlang in der Kupferschmiede seines Vaters. Dort erlebte er: Aus einer flachen Blechplatte wird eine runde Welt. Was eben noch starr war, lsst sich biegen, wlben, formen wenn jemand wei, wie. Diese Erfahrung hat ihn nie mehr losgelassen. Er baute Huser wie Lebewesen. Trme wie Baumstmme. Decken wie Laubdcher. Die Natur war fr Gaud die erste Lehrerin und hinter ihr: Gott, der Schpfer.
Gaud stand auf. Er baute weiter. Huser wie Drachenrcken, Fassaden wie Kleckerburgen manche fanden sie grsslich, viele groartig. Und die Kirche Sagrada Famlia in Barcelona. Riesig, khn, fremd, unvollendet.
Schon bald nach seinem Tod wurde viel davon zerstrt. Im Spanischen Brgerkrieg legten Angreifer Dynamit in die Fundamente. Aber treue Hnde sammelten die Scherben. Bewahrten sie. Setzten sie zusammen. Und Nachfolger bauten weiter - mit Computern, die fr Gauds Geometrie wie gemacht schienen, obwohl er nie einen gesehen hatte.
Dieses Jahr, hundert Jahre nach seinem Tod, wurde der Turm der Sagrada Famlia geweiht. Das Kreuz auf der Spitze leuchtet nachts ber das Mittelmeer wie ein Leuchtturm.
Gaud hat dieses Bild nicht geplant. Er hat gebaut, was er fr wahr und richtig hielt. Was er formte, leuchtet noch.
Aufgerichtet hatte ihn der Satz: Dein Werk soll Nahrung sein." Gaud hat an seinen Trmen gebaut. Aber die meisten Menschen bauen keine Trme. Nahrung sein kann auch das: Ein Wort zur richtigen Zeit, das jemanden aufrichtet. Eine Entscheidung, die mutig ist - und anderen zeigt, dass es geht. Eine Beziehung, die hlt, wenn alles andere wackelt. Im Rckblick wei ich manchmal nicht mehr, wer fr mich Gutes getan hat. Noch weniger, wen ich selbst gestrkt habe.
So war es auch bei Gaud. Er starb, ohne zu wissen, was aus seinem Werk werden wrde. Nicht alles muss fertig werden. Nicht alles muss sichtbar sein. Wer am Ende seiner Kraft ist, hrt damit nicht auf, jemand zu sein. Was zerbrochen scheint, kann aufgehoben werden - von Hnden, die nach mir kommen.
Das ist mehr als Lebenserfahrung. Es ist christliche Hoffnung: dass nichts verloren geht, was im Vertrauen auf Gott getan wird.
i 172, 5 m https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_h%C3%B6chsten_Sakralgeb%C3%A4ude
ii Josep Torras i Bages, er wurde spter Bischof von Vic in Spanien.
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