Unvollendet
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Antonia Klumbies
aus Karlsruhe
Unvollendet 12.10.2026
Gleich in der ersten Runde ist Novak Djokovic bei den US Open Ende August ausgeschieden. Fr viele war das vor allem eine weitere verpasste Chance auf seinen 25. Grand Slam-Titel. Und pltzlich stand wieder diese Frage im Raum: Bleibt einer der erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten am Ende unvollendet?
Eigentlich hat Djokovic fast alles erreicht, wovon andere nur trumen knnen. Und trotzdem richtet sich der Blick auf das, was noch fehlt. Auf den einen Titel. Auf das letzte Stck, bis die 25 Grand Slams voll sind. Wenn sogar jemand, der fast alles erreicht hat, an dem gemessen wird, was noch fehlt: Wie soll man da selbst hinterherkommen?
Na klar: Das Gefhl, ein Ziel zu erreichen, ist groartig. Auch in viel kleinerem Mastab als ein Grand Slam. Ich freue mich immer sehr, wenn ich etwas fertig bringe. Wenn ich die Torte, fr die ich stundenlang in der Kche gestanden habe, endlich mit der Verzierung krne. Oder als ich mein Studium abgeschlossen hatte. Da habe ich mich stolz und erleichtert gefhlt.
Etwas abzuschlieen fhlt sich gut an.
Und trotzdem bleibt im Leben viel unvollendet. Ich denke an Menschen, die mir begegnet sind. Kurz bevor der Vater meines Partners in diesem Sommer gestorben ist, hat er sein Leben sortiert. Er war Violinist und Geigenbauer. Er steckte mitten in den Arbeiten an einer neuen Geige. Als er merkte, dass ihm nicht mehr genug Zeit bleibt, sagte er: Naja, dann bleibt das eben meine Unvollendete. So eine braucht schlielich jeder. Und tatschlich ist er mit seiner unfertigen Geige in guter Gesellschaft. Mozart hat sein Requiem nie vollendet, der Architekt Gaud die Kirche Sagrada Famlia in Barcelona nie fertig bauen knnen.
Es scheint zum Menschsein zu gehren, unvollendet zu bleiben. Wnsche und Plne bleiben offen. In der Bibel steht: Unser Erkennen ist Stckwerk. (1. Korinther 13) Nicht alles in unserem Leben bekommt einen runden Abschluss. Wir bekommen nie alles in den Griff.
Vielleicht ist das gar kein Fehler, sondern eine groe Entlastung. Der christliche Glaube setzt jedenfalls nicht darauf, dass Menschen sich irgendwann selbst vollenden. Er setzt auf Gott.
In der Bibel ist Gott derjenige, der vollendet, was Menschen nicht zu Ende bringen knnen. Der Brche heilt. Der Geschichten zu Ende fhrt, die fr uns offen bleiben.
Mir gefllt der Gedanke: Nicht alles hngt an mir.
Die unvollendete Geige steht brigens immer noch in der Werkstatt. Zweimal habe ich sie mir inzwischen wieder angeschaut. Und jedes Mal gedacht: So wie sie ist, ist sie wunderschn.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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