Betreff „Blazer“
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Antonia Klumbies
aus Karlsruhe
Betreff Blazer 15.10.2026
Wenn ich etwas verliere, dann natrlich gleich das Wertvolle. Einmal habe ich meine brandneue Mtze nach nur einer Woche verloren. Ich hatte sie zu Weihnachten geschenkt bekommen. Dann habe ich einen schicken Mantel in der Straenbahn liegen gelassen. Und letztes Jahr ist es wieder passiert.
Nach einer Reise habe ich zu Hause meinen Koffer ausgepackt. Mit jedem Griff habe ich panischer gewhlt und schlielich festgestellt: Der schne alte Blazer von meiner Mutter fehlt. Er war ein Erbstck. Er war nicht besonders teuer, aber fr mich unbezahlbar. Ich habe den Koffer noch mal durchsucht. Nichts.
Wie kann man nur so unachtsam sein?, schoss es mir durch den Kopf. Warum passiert das ausgerechnet schon wieder mir?
Wer etwas verliert, verliert oft mehr als nur einen Gegenstand. An manchen Dingen hngen Erinnerungen, Beziehungen, ein Stck Lebensgeschichte. Geht so etwas verloren, dann fhlt sich manchmal auch etwas in uns selbst verloren an.
Verlieren gehrt zum Leben. Mal sind es Dinge, die uns wichtig sind. Mal Sicherheiten, auf die wir gebaut haben. Wir verlieren auch Menschen, die wir geliebt haben; die uns geprgt haben. Und manchmal verlieren wir die Orientierung.
Jesus erzhlt gleich drei Geschichten ber das Verlieren. Direkt hintereinander. In allen drei Erzhlungen geht ums Verlorengehen und Wiederfinden. Um ein Schaf. Um eine Mnze. Um einen Sohn.
Aber eigentlich geht es um Menschen, die ihren Weg verloren haben. Die nicht mehr wissen, wohin sie gehren. Die sich von anderen, von sich selbst oder von Gott entfernt haben.
Und jedes Mal wird gefeiert, wenn das Verlorene wieder da ist.
Mit einem Fest. Mit Erleichterung. Mit offenen Armen.
Und Jesus sagt: Genau so ist Gott. Gott sucht uns. Und Gott freut sich, wenn er uns findet.
Meine Blazer-Geschichte hat auch noch eine unerwartete Wendung genommen. Ich habe die Hotels angeschrieben, in denen ich auf meiner Reise war. Jedes Mal kam die Antwort: Leider nichts gefunden. Die Sache schien erledigt. Aber dann ploppte pltzlich eine neue Mail auf. Der Betreff: Blazer wiedergefunden.
Ich konnte mein Glck kaum fassen. Ein Hotel hatte ihn tatschlich gefunden und zu mir geschickt. Nach einer halben Weltreise konnte ich den Blazer wieder in meinen Hnden halten. Zum ersten Mal in meinem Leben hat jemand mein Verlorenes wiedergefunden. Und ich habe mich einfach gefreut.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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