Heimat(los)

Shownotes

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Antonia Klumbies

aus Karlsruhe

Heimat(los) 16.10.2026

Wenn ich Leuten davon erzhle, dass ich aus Freiburg komme, hre ich oft: Oh, da ist es doch so schn. Warum bist du nicht dort geblieben? Und ja, ich liebe meine Heimat. Dort bin ich aufgewachsen. Wenn ich heute durch die Straen gehe, kommen viele schne Erinnerungen zurck. Da ist die Schule. Da ist der Weg, den ich jeden Morgen mit dem Fahrrad gefahren bin.

Und doch merke ich: So einfach ist das mit der Heimat nicht.

Sie ist fr mich kein ungebrochen harmonischer Ort. Wenn ich dort bin, kommen auch Erinnerungen hoch, die wehgetan haben. Dinge, die ich hinter mir lassen wollte. Heimat ist fr mich etwas Spannungsreiches.

In der Forschung wird darber diskutiert. Kann man einen Ort berhaupt noch als Heimat bezeichnen, wenn er nicht mehr dieses wohlige, geborgene Gefhl auslst? Oder ist sie dann verloren?

ber Heimat wird wieder nachgedacht. Vielleicht weil sich unsere Welt verndert. Vielleicht weil manches nicht mehr selbstverstndlich wirkt.

In diesem Jahr erinnern viele Menschen im Sdwesten Deutschlands an Johann Peter Hebel. Vor 200 Jahren ist der alemannische Dichter, Pfarrer und Theologe gestorben. Hebel hat seine Heimat im Sdschwarzwald geliebt. Seine Geschichten und Gedichte haben die Region weit ber ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht. Hebel hat in Mundart geschrieben. Ziemlich heimatverbunden, knnte man sagen.

Aber Hebel hat Heimat nicht romantisch verklrt. Er wusste: Orte verndern sich. Vertrautes verschwindet. Nichts bleibt fr immer. Alles Irdische ist vergnglich. Vielleicht zeigt sich gerade hier auch Hebels Selbstverstndnis als Christ.

Denn die Bibel spricht erstaunlich nchtern ber die Heimat. An einer Stelle heit es:

Denn hier auf der Erde gibt es keinen Ort, der wirklich unsere Heimat wre und wo wir fr immer bleiben knnten. Unsere ganze Sehnsucht gilt jener zuknftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind. (Hebrer 13)

Das klingt zunchst fast traurig. Als drften Christinnen und Christen ihre Heimat nicht lieben.

Aber so verstehe ich den Satz nicht. Er spricht von einer Heimat, die grer ist als jeder Ort auf dieser Welt. Christen glauben: Ihre tiefste Zugehrigkeit finden sie in Jesus Christus. Und ihre eigentliche Heimat liegt noch vor ihnen. Heimat ist also Herkunft und Zukunft.

In einer Zeit, in der viele Menschen nach Halt suchen, finde ich diesen Gedanken befreiend. Ich bin frei, die Heimat zu schtzen, ohne sie festhalten zu mssen. Frei, Erinnerungen zu bewahren, auch wenn sie nicht alle schn sind. Frei, neue Orte und neue Menschen ins Herz zu lassen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)

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